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East Side Gallery Wandgemälde — die Geschichten hinter Berlins berühmtesten Mauerbildern

East Side Gallery Wandgemälde — die Geschichten hinter Berlins berühmtesten Mauerbildern

Berlin: Berlin Wall Short History & Art Tour at East Side Gallery

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Was sind die bekanntesten Wandgemälde der East Side Gallery?

Die drei meistreproduzierte Werke sind Dmitri Vrubels „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben" (der Breschnew-Honecker-Kuss), Birgit Kinders „Test the Rest" (ein Trabi, der durch die Mauer bricht) und Kani Alavis „Es geschah im November". Alle 105 Gemälde wurden 1990 von Künstlern aus 21 Ländern geschaffen und befinden sich auf der originalen Außenmauer zur Spree hin.

Was sind die bekanntesten Wandgemälde der East Side Gallery? Dmitri Vrubels Bruderkuss zwischen Breschnew und Honecker ist das meistfotografierte Motiv. Birgit Kinders Trabi, der durch die Mauer bricht, wird von deutschen Besuchern mit besonderer Wärme aufgenommen. Kani Alavis „Es geschah im November” ist das emotional direkteste Werk. Alle entstanden 1990 auf originalen Mauersegmenten — gemalt von Künstlern, die freiwillig kamen, ohne institutionellen Auftrag.


Die East Side Gallery ist ein original erhaltenes Stück der äußeren Berliner Mauer — jene Betonseite, die einst Ost-Berlin zugewandt war — das nach dem Mauerfall 1990 stehen blieb. Sie verläuft 1,3 km entlang der Mühlenstraße in Friedrichshain, dem Nordufer der Spree folgend.

Diese Unterscheidung ist wesentlich: Es handelt sich nicht um eine Reproduktion oder einen memorialen Nachbau. Es sind echte Stahlbetonfertigteile (die sogenannte „UL 12.11”-Viergeneration, 3,6 Meter hoch, mit dem charakteristischen glatten Rundrohr obenauf), die bis November 1989 Teil des Grenzsystems waren.

Die Gemälde entstanden zwischen Februar und September 1990, als Christine Kühn und eine kleine Gruppe von Künstlern begannen, Kollegen einzuladen, die Mauer als kollektive Antwort auf den Fall des Regimes zu bemalen. Über 100 Künstler aus 21 Ländern beteiligten sich. Ein einheitliches kuratorisches Konzept gab es nicht — jeder Künstler erhielt eine bestimmte Anzahl von Segmenten und die Freiheit, nach eigenem Ermessen zu gestalten.

Das Ergebnis ist kein kohärentes Kunstprogramm, sondern eine Momentaufnahme: wie internationale Künstler das Ende der Kalten-Kriegs-Teilung in Echtzeit verarbeiteten — nur wenige Monate nachdem sie geschehen war.


Die drei bedeutendsten Wandgemälde

„Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben” — Dmitri Vrubel

Dmitri Vrubel ist ein russischer Künstler, geboren 1960 in Moskau. Sein Wandgemälde an der East Side Gallery hat sich zu einem der am weitesten verbreiteten Bilder der Zeitgeschichte entwickelt.

Das Gemälde zeigt den sowjetischen Staatschef Leonid Breschnew und den DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker beim Kuss auf den Mund — eine Anspielung auf den „sozialistischen Bruderkuss”, der als ritueller Gruß zwischen kommunistischen Führern bei offiziellen Staatsanlässen gepflegt wurde. Das Bild basiert auf einer Fotografie, die beim 30. Jahrestag der DDR im Oktober 1979 aufgenommen wurde.

Vrubels hinzugefügte Bildunterschrift — „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben” (auf Russisch und Deutsch) — verwandelt eine Dokumentarfotografie in einen bitteren Kommentar über das politische Verhältnis zwischen Sowjetunion und DDR: die Abhängigkeit des ostdeutschen Staates von seinem sowjetischen Beschützer — und seine Erstickung durch ihn.

Das Wandgemälde wurde wiederholt vandalisiert und mehrmals restauriert. Die aktuelle Fassung ist nicht identisch mit dem Original von 1990 — Vrubel selbst übermalte es 2009 zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Die Version von 2009 gilt als das maßgebliche aktuelle Werk, auch wenn spätere Restaurierungen nach Vandalismus weitere Veränderungen vorgenommen haben.

Lage in der Galerie: etwa 400 Meter vom Ostbahnhof-Ende entfernt.

Berlin: Kurze Geschichts- und Kunsttour an der East Side Gallery — 1,5 Stunden, mit Erläuterungen zu den wichtigsten Wandgemälden

„Test the Rest” — Birgit Kinder

Birgit Kinder ist eine deutsche Malerin aus Erfurt. Ihr Beitrag zur East Side Gallery ist bei deutschen Besuchern vielleicht der beliebteste — gerade wegen seines Humors angesichts der Geschichte.

Das Gemälde zeigt einen ostdeutschen Trabant (das charakteristische Kleinauto, das in der DDR produziert wurde und zum Symbol des DDR-Alltags avancierte), der durch die Betonmauer bricht, während eine Hand aus dem Fenster reicht, um einen westdeutschen Pass aus einem Blumenstrauß entgegenzunehmen. Der Schriftzug „Test the Rest” ist im Stil einer Autohandelswerbung gehalten.

Der Trabi war zu einem Sinnbild des Mauerfalls von 1989 geworden — lange Kolonnen von Trabants, die in der Nacht des 9. November nach West-Deutschland fuhren, gehörten zu den ikonischsten Bildern dieses Ereignisses. Kinders Gemälde fängt sowohl das Absurde als auch die Freude dieses Moments ein.

Das Motiv wurde auf Tausenden von Souvenirs, Postkarten und Werbematerialien reproduziert. Wie Vrubels Kuss wurde auch es vandalisiert und restauriert; Kinder übermalte es 2009 neu.

Lage: etwa 200 Meter vom Ostbahnhof-Ende entfernt.


„Es geschah im November” — Kani Alavi

Kani Alavi wurde 1951 in Teheran geboren und lebt seit Ende der 1970er Jahre in Deutschland. Sein Wandgemälde ist eines der emotional direktesten an der East Side Gallery.

Das Bild zeigt eine Menschenmenge, die durch eine Lücke in der Mauer drängt — ausgestreckte Hände, Gesichter mit den unterschiedlichsten Ausdrücken: Euphorie, Trauer, Desorientierung. Einige Gesichter schreien, andere sind leer. Die Größe ist überwältigend: Die Menge füllt die gesamte Fläche.

Alavi, der in der Nacht des Mauerfalls in Berlin war, beschrieb das Erlebnis, Tausende von Menschen nach West-Berlin überqueren zu sehen, nicht als schlichtes Freudenereignis, sondern als kollektiven Schock — Jahrzehnte der Einschränkung, in einer einzigen Nacht freigesetzt, ohne Vorbereitung. Sein Gemälde versucht, diese emotionale Vielschichtigkeit einzufangen.

Das Wandgemälde gilt weithin als das künstlerisch bedeutendste der 105 Werke der Galerie. Alavi ist zu einem öffentlichen Fürsprecher für den Erhalt der East Side Gallery geworden, besonders während des Entwicklerkonflikts von 2013.

Lage: etwa 150 Meter vom Ostbahnhof-Ende entfernt.


Weitere bedeutende Werke

„Détente” — Thierry Noir

Thierry Noir (geboren 1958 in Lyon) wird häufig als erster Künstler genannt, der die Berliner Mauer bemalt hat. Er begann 1984, die Westseite der Mauer in Kreuzberg zu bemalen — illegal, zusammen mit seinem Kollegen Christophe-Emmanuel Bouchet. Seine charakteristischen Großköpfe im Cartoon-Stil, schnell gemalt, um einer Verhaftung zu entgehen, wurden zu einem frühen visuellen Erkennungszeichen der Mauerkunst.

An der East Side Gallery steuerte Noir eine Reihe seiner typischen Figuren in leuchtenden Farben bei — eine Referenz an seine früheren illegalen Arbeiten. Der Stil ist bewusst einfach und repetitiv, ein formaler Kontrast zu den malerischeren Werken in seiner Umgebung.

„Hommage à la Jeunesse” — Thierry de Cordier

Der belgische Künstler Thierry de Cordier schuf ein minimalistisches Gemälde, das einen großen, stilisierten Baum vor einem kargen Hintergrund zeigt. Das Werk ist weniger unmittelbar lesbar als die figurativen Wandgemälde, hat aber aufgrund seiner Zurückhaltung anhaltende kritische Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

„Vaterland” — Fulvio Pinna

Der italienische Fotograf und Künstler Fulvio Pinna malte ein großes Paneel, das die Teilung Deutschlands durch abstrakte Bildsprache thematisiert. Wie viele der weniger besuchten Werke hat es sich stärker abgenutzt als die häufig fotografierten und restaurierten Stücke.


Der Konflikt von 2013 und die Lücke in der Galerie

Anfang 2013 erhielt der Eigentümer eines an die East Side Gallery angrenzenden Grundstücks die Genehmigung, 22 Mauersegmente abzureißen, um Zugang zu einem Luxuswohnprojekt zu schaffen (Mediaspree-Projekt). Der Abriss begann im März 2013.

Die darauf folgenden Proteste waren die größten öffentlichen Demonstrationen rund um die East Side Gallery seit ihrer Entstehung. Am 17. März 2013 versammelten sich schätzungsweise 6.000 Menschen, um die Arbeiten zu blockieren. Künstler, darunter Kani Alavi, ketteten sich an die Mauer. Eine gerichtliche einstweilige Verfügung wurde erwirkt.

Der erzielte Kompromiss erlaubte die Entfernung von weniger Segmenten. Die entstandene Lücke in der Galerie — heute durch einen niedrigen Zaun gefüllt — ist am Ende zur Warschauer Straße noch immer sichtbar. Der Luxus-Wohnturm (Living Bauhaus / Mercedes-Benz Arena Entwicklung) wurde hinter der Galerie gebaut; seine oberen Stockwerke ragen über die Mauer.

Der Konflikt legte eine strukturelle Schwachstelle offen: Obwohl die East Side Gallery als Denkmal geschützt ist (Denkmalschutz), stehen die Mauersegmente auf Grund, der dem Berliner Senat gehört, der den Zugangsweg für den Entwickler genehmigt hatte. Der Denkmalschutz war auf einzelne Paneele angewendet worden, nicht auf das Gelände als Ganzes.

Berlin: Mauer und East Side Gallery — Geführter Rundgang über die gesamten 1,3 km, 2 Stunden

Restaurierung versus Originalität

Die Frage, wie viel der East Side Gallery „original” ist, lässt sich nicht klar beantworten.

Bei Acrylgemälden unter freiem Himmel beginnen Witterungsschäden bereits nach wenigen Jahren: Ausbleichen, Rissbildung und Wassereindrigung verursachen erhebliche Schäden. Vandalismus — darunter Beschriftungen auf den Wandgemälden — kommt erschwerend hinzu. Mehrere Werke waren Ende der 1990er Jahre stark beschädigt.

Die erste große Restaurierung fand im Jahr 2000 statt, als mehrere Paneele unter Beteiligung der Künstler neu bemalt wurden. Eine zweite große Restaurierung erfolgte 2009 zum 20. Jahrestag. Einzelne Paneele wurden seitdem zu verschiedenen Zeitpunkten restauriert.

Einige Künstler haben ihre eigenen Werke neu bemalt und betrachten die restaurierte Fassung als das definitive Werk. Andere waren nicht beteiligt, und die Restaurierung wurde von professionellen Konservatoren anhand von Fotografien durchgeführt. In einigen Fällen leben die Künstler nicht mehr oder sind nicht auffindbar.

Das Ergebnis ist eine Galerie, in der einige Paneele ihren Originalen von 1990 weitgehend entsprechen, andere 2009er Neubemalung der ursprünglichen Künstler sind und wieder andere Drittrestaurierungen darstellen, die in Farbe und Detail vom Original abweichen können.

Das ist kein Geheimnis und kein Skandal — es ist die praktische Realität des Erhalts bemalten Außenbetons über drei Jahrzehnte. Besucher, die unveränderte Werke von 1990 erwarten, sollten die Situation kennen.


Praktische Informationen für den Besuch

Anreise: S-Bahn S3, S5, S7 oder S9 zum Ostbahnhof (westliches/Startende), oder U1 oder Tram M10 zur Warschauer Straße (östliches Ende). Vom Ostbahnhof aus links aus dem Haupteingang, dann dem Fluss 2 Minuten folgen. Die bemalte Fläche ist sofort sichtbar.

Öffnungszeiten: 24 Stunden geöffnet, immer kostenlos. Es gibt keine Eingangstore oder Absperrungen.

Zeitbedarf: Der vollständige 1,3 km lange Weg in moderatem Tempo mit Fotostopps dauert 1,5 bis 2 Stunden. Ein zügiger Durchgang nimmt 45 Minuten in Anspruch.

Beste Besuchszeit: Früh morgens (vor 9 Uhr) sind die wenigsten Touristen unterwegs. Die Galerie ist grob nach Norden ausgerichtet und erhält am Vormittag gutes Licht. Sommernachmittage sind sehr belebt. Abends sind die Wandgemälde durch Straßenbeleuchtung beleuchtet, die Fotoqualität nimmt jedoch deutlich ab.

Besucherandrang: Der Abschnitt zwischen Ostbahnhof und der Mercedes-Benz Arena (erste 400 Meter) ist am stärksten besucht. Der östliche Abschnitt zur Warschauer Straße hin ist durchgehend ruhiger.

Einrichtungen: Am Ostbahnhof gibt es Toiletten. Im Sommer öffnen Cafés und Imbisse an der Flussseite (Spreebeach/YAAM-Bereich). Schließfächer oder Gepäckaufbewahrung sind nicht vorhanden.

Für weiterführende Informationen zur Mauer, ihrer Geschichte und weiteren erhaltenen Abschnitten in Berlin siehe den vollständigen Berlin-Mauer-Guide.

Zur Straßenkunst- und Graffitikultur, die aus der Tradition der Mauermalerei hervorging, siehe den Berlin Street Art Guide.

Zu Informationen über den Stadtbezirk Friedrichshain, in dem sich die Galerie befindet, siehe den Friedrichshain-Guide.


Häufige Fragen zu East Side Gallery Wandgemälde

  • Ist die East Side Gallery die originale Mauer?
    Ja. Die East Side Gallery ist die originale äußere Betonmauer (die Seite, die Ost-Berlin zugewandt war), die nach der Wiedervereinigung stehen blieb. Die Gemälde wurden 1990 hinzugefügt. Allerdings wurden seitdem mehrere einzelne Segmente aufgrund von Witterungsschäden und wiederholtem Vandalismus restauriert oder vollständig neu bemalt. Der Grad der Originalität variiert von Segment zu Segment und ist vor Ort nicht immer klar gekennzeichnet.
  • Wer hat die Wandgemälde der East Side Gallery in Auftrag gegeben?
    Die Wandgemälde wurden Anfang 1990 von der ostdeutschen Künstlerin Christine MacLean (heute bekannt als Christine Kühn) und dem Maler David Monty initiiert. Sie luden Künstler aus aller Welt ein, die Mauer als internationale Antwort auf die Wiedervereinigung zu bemalen. Das Projekt wurde nicht von einer einzigen Institution finanziert — die Künstler kamen aus eigener Initiative und wurden durch die East Side Gallery Organisation koordiniert, die sich anschließend zum Schutz des Ortes gründete.
  • Wie lang ist die East Side Gallery?
    Die East Side Gallery erstreckt sich über 1,3 km entlang der Mühlenstraße zwischen dem Ostbahnhof und der Warschauer Straße Brücke. Sie umfasst 105 Gemälde auf 118 Segmenten der originalen Mauer. Der vollständige Rundgang, einschließlich Zeit zum Fotografieren einzelner Werke, dauert etwa 1,5 bis 2 Stunden.
  • Was geschah, als Entwickler versuchten, Abschnitte der East Side Gallery zu entfernen?
    Im Jahr 2013 wollte ein Immobilienentwickler (Investor Living Bauhaus) 22 Mauersegmente entfernen, um einen Luxus-Wohnturm zu bauen und einen Flusszugang zu schaffen. Der Abriss löste massive Proteste aus — eine Demonstration zog im März 2013 rund 6.000 Menschen an. Mehrere Segmente wurden entfernt, bevor eine gerichtliche einstweilige Verfügung die Arbeiten stoppte. Der Turm wurde schließlich gebaut, jedoch mit weniger entfernten Segmenten als ursprünglich geplant. Die Lücke ist in der Galerie noch immer sichtbar.
  • Kann man die East Side Gallery von beiden Seiten betreten?
    Nein. Die Galerie liegt am Nordufer der Spree. Die bemalte Seite (die ehemalige Ostseite der Mauer) zeigt nach Norden zur Straße hin. Man geht entlang der Mühlenstraße, um die Gemälde zu betrachten. Von der Flussseite (Süden) gibt es ohne Boot keinen Zugang. Die Rückseite der Mauer, die zur Spree zeigt, ist unbemalt.
  • Was unterscheidet das Ende am Ostbahnhof vom Ende an der Warschauer Straße?
    Das Ende am Ostbahnhof (westliches Ende der Galerie) weist die höchste Konzentration bekannter Gemälde auf und ist der Ausgangspunkt der meisten Führungen. Das Ende an der Warschauer Straße (östliches Ende) hat weniger Besucher und einige weniger restaurierte Abschnitte. Wer von Ost nach West geht, sieht die bekanntesten Werke am Ende; wer von West nach Ost geht, trifft sie gleich zu Beginn.
  • Ist die East Side Gallery kostenlos?
    Ja. Die East Side Gallery ist ein öffentlicher Freiraum unter freiem Himmel, der jederzeit, 24 Stunden am Tag, kostenlos zugänglich ist. Es gibt weder Tickets noch Eingangstore. Für geführte Touren der Galerie werden separate Gebühren erhoben.

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