Graffiti in Friedrichshain — RAW-Gelände, Boxhagener Platz und die Street-Art-Szene
Berlin: Alternative Bike Tour of Kreuzberg & Friedrichshain
Wo gibt es das beste Graffiti in Friedrichshain?
Das RAW-Gelände an der Revaler Straße hat die höchste Dichte — nahezu jede Oberfläche ist mit Graffiti und Wandgemälden bedeckt, die kontinuierlich erneuert werden. Die Straßen rund um den Boxhagener Platz (Grünberger Straße, Krossener Straße) und entlang der Mühlenstraße am Flussufer tragen bedeutende Außenwerke. Alles ist kostenlos zu besichtigen und vom Bahnhof Warschauer Straße zu Fuß erreichbar.
Wo gibt es das beste Graffiti in Friedrichshain? Das RAW-Gelände an der Revaler Straße — der ehemalige Bahnhof, der zum alternativen Kulturraum wurde — hat die konzentrierteste Außengraffiti in Berlin abseits eines eigentlichen Museums. Die Straßen rund um den Boxhagener Platz ergänzen das Bild mit weiteren Werken, die oft dauerhafter sind und manchmal höhere künstlerische Ambitionen zeigen. Beides ist vom Bahnhof Warschauer Straße (S-Bahn und U-Bahn) zu Fuß erreichbar.
Friedrichshain und Graffiti-Kultur — der Kontext
Friedrichshain war während der Teilung ein Ostberliner Bezirk — ein Arbeiterviertel mit Plattenbauten und Industrieinfrastruktur. Nach der Wiedervereinigung machte die Kombination aus leer stehenden Industrieflächen, niedrigen Mieten und der Nähe zur westlichen Stadthälfte den Bezirk attraktiv für Besetzer, Künstler und alternative Kulturprojekte.
Das RAW-Gelände wurde ab 1990 besetzt und umgewandelt. Einige der bedeutendsten frühen Berliner Techno-Clubs (Bunker, E-Werk und später Berghain in der Nähe) entstanden in dem Gebiet. Die alternative Kultur schuf Nachfrage nach Außenmalerei — im RAW, wo die physische Infrastruktur ohnehin unkonventionell war, wurde Graffiti Teil der visuellen Identität des Geländes und nicht als Eingriff empfunden.
Friedrichshain hat auch einen spezifischen Platz in Berlins Graffiti-Geschichte: Die East Side Gallery an der Mühlenstraße am Spreeufer war unmittelbar nach der Wiedervereinigung die öffentlich sichtbarste Leinwand für Street Art. Internationale Künstler, die die Mauer 1990 bemalten, lenkten Aufmerksamkeit auf den Bezirk, bevor sich die alternative Szene größtenteils entwickelt hatte.
Die Szene, die heute existiert, ist eine Fortsetzung dieser Geschichte — gentrifizierterer und weniger spontan als in den frühen 1990er Jahren, aber mit einer echten lokalen Kultur des Außenmalens, die Friedrichshain zu einem der interessanteren Graffiti-Bezirke Deutschlands macht.
RAW-Gelände — der Ankerstandort
Das Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) nahm den Block zwischen Revaler Straße, Warschauer Straße und den S-Bahn-Gleisen von den 1870er Jahren bis zur deutschen Wiedervereinigung ein. Seine Funktion war die Wartung und Reparatur von Eisenbahnwaggons. Nach der DDR-Ära wurde das Gelände stillgelegt und anschließend von Kulturorganisationen besetzt.
Heute beherbergt das RAW-Gelände:
- Cassiopeia — Club und Freiluft-Konzertbereich, seit 2009 in Betrieb
- Suicide Circus — Techno-Club, einer der zugänglicheren großen Berliner Clubs
- Skateboard-Bereich — großer Freiluft-Skatepark im zentralen Hof
- Kletter- und Boulderhalle — große Kletterwand in einer umgebauten Industriehalle
- Wochenendflohmarkt — samstags und sonntags, ganzjährig
- Essensstände und Bars — besonders aktiv im Sommer
Jede Gebäudefläche ist mit Graffiti bedeckt. Die Arbeiten häufen sich in Schichten an — Farbe über Farbe, neue Pieces erscheinen laufend über alten Werken. Es gibt keine kuratorische Kontrolle und keine Pflege. Das Ergebnis ist ein Palimpsest, das sich monatlich verändert.
Besonders bemerkenswert: die große Außenwand entlang der Revaler Straße, die von der Straße aus sichtbar ist, auch ohne das Gelände zu betreten. Diese Wand hat bedeutende Werke von Berliner und Gastakünstlern beherbergt. Die Innengebäude tragen alles von schnellen Throw-ups und Tags bis zu durchdachten großformatigen Charakteren und abstrakten Kompositionen.
Eintritt zum RAW-Gelände tagsüber kostenlos. Clubs und Veranstaltungsabende haben eigene Einlassbedingungen. Der Flohmarkt läuft grob 10–18 Uhr an Wochenenden; kein Eintrittspreis.
Anfahrt: S-Bahn S3/S5/S7/S9 oder U1 bis Warschauer Straße. 3 Minuten nördlich auf der Warschauer Straße, dann links auf die Revaler Straße. Das RAW-Gelände ist auf der rechten Seite.
Berlin: Alternative Radtour durch Kreuzberg und Friedrichshain — beide Bezirke mit ihrer Street Art in 3 Stunden auf dem RadBoxhagener Platz und die umliegenden Straßen
Der Boxhagener Platz ist ein Wohnplatz in Friedrichshain, rund 15 Minuten zu Fuß nordöstlich vom RAW-Gelände. Der Platz selbst ist angenehm — Bänke, Bäume, ein kleiner Markt —, aber das Street-Art-Interesse liegt in den umliegenden Blocks.
Grünberger Straße (vom Platz nach Norden Richtung Frankfurter Allee) hat Gebäudefassaden mit sowohl beauftragten Wandgemälden als auch spontaneren Arbeiten. Die Größenordnung ist kleiner als am RAW-Gelände — einzelne Wandabschnitte statt eines ganzen Komplexes —, aber einige Werke hier wurden jahrelang gepflegt und zeigen ein höheres Maß an künstlerischem Ehrgeiz.
Krossener Straße (nach Süden Richtung Kanal) hat vergleichbare Dichte. Diese Straße hat auch mehrere kleine Bars und Cafés, die sie für die Kiez-Atmosphäre neben der Kunst besuchenswert machen.
Revaler Straße (jenseits des RAW-Geländes nach Nordosten) trägt weiter Graffiti auf ihren Wohnhäusern. Die Kunst hier ist weniger dicht als auf dem RAW-Gelände, aber stärker in das urbane Gewebe eines gelebten Kiezes eingebettet statt in einen Kulturkomplex.
Der Sonntagsmarkt am Boxhagener Platz findet jeden Sonntagmorgen statt und eignet sich gut zur Kombination mit einem Street-Art-Spaziergang. Marktstände verkaufen lokale Produkte, Vintage-Artikel und Handgemachtes. Der Platz ist kompakt; der Markt endet gegen 15 Uhr.
Mühlenstraße und das Flussufer
Der Abschnitt des Spree-Ufers entlang der Mühlenstraße verbindet die East Side Gallery mit dem RAW-Gelände-Bereich. Das Entlanggehen des Flusses (auf der Nordseite, der bemalten Seite) umfasst rund 1,5 km mit sich kontinuierlich verändernden Blicken.
Über die East-Side-Gallery-Wandgemälde hinaus haben die Gebäude entlang der Mühlenstraße und der YAAM-Beach-Bar-Komplex Außengraffiti und Wandgemälde, die sich mit den Gewerberäumen vermischen. Das YAAM (Young African Art Market) an der Mühlenstraße 27 ist ein afrodiasporischer Kulturraum mit Außenbereichen, einer Strandbar und Musikfokus. Sein Außenbereich und Umgebung tragen eigenständige Kunstwerke.
Die Mercedes-Benz-Arena (kürzlich wieder umbenannt — aktuellen Namen vor dem Besuch prüfen) neben der East Side Gallery hat einen großen Außenplatz, der manchmal Graffiti-Aufträge neben eventbezogenen Kunstwerken beherbergt.
Ausführliche Informationen zu den Wandgemälden der East Side Gallery, den spezifischen Künstlern und Geschichten hinter wichtigen Werken finden Sie im Leitfaden zu den East-Side-Gallery-Wandgemälden.
Ein Spazierweg durch Friedrichshains Graffiti
Ausgangspunkt: Bahnhof Warschauer Straße (S-Bahn und U1).
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Mühlenstraße / East Side Gallery (30 Minuten): Vom Bahnhof nördlich entlang der Spree spazieren. Die East Side Gallery Wandgemälde verlaufen 1,3 km auf der linken Seite. In Ihrem eigenen Tempo von West nach Ost (Richtung Ostbahnhof oder Warschauer Straße) laufen.
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RAW-Gelände (45 Minuten): Zurück zur Warschauer Straße und nördlich auf der Warschauer Straße laufen, dann links auf die Revaler Straße. Zeit durch den RAW-Komplex nehmen — äußerer Umfang, innere Höfe, Gebäude. Wenn der Flohmarkt stattfindet (Wochenende), 30 Minuten hinzurechnen.
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Revaler Straße nördlich (20 Minuten): Weiter nach Nordosten entlang der Revaler Straße jenseits des RAW-Geländes. Die Wohnhausfassaden tragen vereinzelte Werke. Bis zur Frankfurter Allee laufen und dann nach Süden oder Nordosten abbiegen.
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Boxhagener Platz (30 Minuten): Von der Frankfurter Allee südwärts entlang der Grünberger Straße zum Boxhagener Platz. Unterwegs Werke auf Gebäudefassaden beachten. Am Platz gegebenenfalls den Sonntagsmarkt besuchen.
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Krossener Straße zurück (15 Minuten): Südwärts auf der Krossener Straße zurück Richtung Kanal und Warschauer Straße.
Insgesamt: rund 3 Stunden, 6–8 km Fußweg, größtenteils flach.
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Besucher fragen manchmal, welcher Bezirk besser für Street Art ist — Friedrichshain oder Kreuzberg. Die ehrliche Antwort: Sie bieten unterschiedliche Erlebnisse.
Vorteile Friedrichshain: Das RAW-Gelände bietet sofort eine hohe Werkdichte auf kleiner Fläche. Die East Side Gallery ist der historisch bedeutendste Außenmalerei-Ort in Deutschland. Die Graffiti-Kultur ist anarchischer und wird kontinuierlich aktualisiert.
Vorteile Kreuzberg: Die Wandgemälde sind stärker in eine Kiez-politische und gesellschaftliche Geschichte eingebettet. Der Kontext ist reicher. Kreuzberg hat mehr großformatige beauftragte Werke, die gepflegt sind und als individuelle Kunstaussagen lesbar sind. Die Kiez-Essens- und Café-Kultur macht es leichter, einen ganzen Tag zu verbringen.
Beste Antwort: Beide besuchen. Sie sind durch die U1 verbunden (eine Haltestelle von Warschauer Straße bis Görlitzer Bahnhof oder eine 25-minütige Radfahrt durch Kreuzberg entlang der Kanalroute). Eine alternative Radtour, die beide Bezirke in einem einzigen Halbtag abdeckt, ist der effizienteste Ansatz.
Details zu Kreuzbergs urbaner Kunst finden Sie im Kreuzberg-Urban-Art-Leitfaden.
Einen breiteren Überblick über Berlins Street Art in beiden Bezirken bietet der Berliner-Street-Art-Leitfaden.
Praktische Informationen für den Besuch in Friedrichshain
Anfahrt: Warschauer Straße (S3/S5/S7/S9 und U1) ist der Hauptzugangspunkt für RAW-Gelände und East Side Gallery. Für den Boxhagener Platz: U5 bis Frankfurter Tor, dann 10 Minuten zu Fuß südwärts auf der Grünberger Straße.
Beste Tage: An Wochentagen gibt es weniger Touristen. Für das Flohmarkterlebnis am RAW ist ein Wochenende nötig (Samstag oder Sonntag). Die East Side Gallery lohnt sich zu jeder Zeit, aber morgens ist sie weniger überfüllt.
Dauer: 2–3 Stunden für einen fokussierten Graffiti-Spaziergang (RAW + Mühlenstraße). Ein voller Friedrichshain-Tag mit East Side Gallery, RAW und Boxhagener Platz dauert 4–5 Stunden.
Essen und Trinken: Das RAW-Gelände hat Essensstände und Bars, die besonders an Wochenenden und abends aktiv sind. Der Boxhagener Platz und die umliegenden Straßen haben Cafés und Restaurants, die den ganzen Tag geöffnet sind. Die Grünberger Straße hat mehrere Brunch-Spots, die sonntags morgens beliebt sind.
Für den weiteren Bezirk jenseits der Street Art, einschließlich Nachtleben, Essen und allgemeinem Charakter, lesen Sie den Friedrichshain-Leitfaden.
Häufige Fragen zu Graffiti in Friedrichshain
Was ist das RAW-Gelände in Friedrichshain?
Das RAW-Gelände (Reichsbahnausbesserungswerk — ehemaliger Bahnausbesserungsbetrieb) ist ein großes alternatives Kulturkomplex an der Revaler Straße in Friedrichshain. Es beherbergt Clubs, einen Skatepark, eine Kletterwand, einen Flohmarkt und umfangreiches Außengraffiti und Wandgemälde auf nahezu jeder Gebäudefläche. Der Eintritt zum Gelände ist tagsüber kostenlos. Es wurde in den 1990er Jahren nach Schließung der Bahnanlage als alternativer Kulturraum entwickelt.Wie unterscheidet sich Friedrichshains Graffiti-Szene von der in Kreuzberg?
Friedrichshains Szene ist anarchischer, weniger politisch explizit und stärker auf Graffiti-Kultur im engen Sinne fokussiert (Tags, Throw-ups, Wildstyle-Pieces) neben größeren Wandgemälden. Kreuzbergs Street Art ist stärker in politischer Geschichte und Community-Aktivismus verwurzelt. Friedrichshain hat das RAW-Gelände als festen Anker; Kreuzbergs Kunst ist stärker über den Kiez verstreut.Gilt die East Side Gallery als Teil von Friedrichshains Graffiti-Szene?
Die East Side Gallery befindet sich in Friedrichshain (an der Mühlenstraße entlang der Spree), ist aber eine eigene Entität — offiziell beauftragte Wandgemälde an einem geschützten Denkmal. Die Graffiti-Szene rund um das RAW-Gelände und den Boxhagener Platz ist in Charakter und Ursprung eine andere. Die Nähe macht es logisch, beides zusammen zu besuchen.Was findet beim RAW-Flohmarkt statt?
Der RAW-Gelände-Flohmarkt (Flohmarkt im RAW) findet samstags und sonntags das ganze Jahr über statt, mit zusätzlichen Terminen im Sommer. Stände verkaufen Vintage-Kleidung, Schallplatten, Elektronik, Möbel, Kunstdrucke und verschiedene Trödel. Er zieht ein lokales alternatives Publikum an. Eintritt kostenlos oder minimal. Öffnungszeiten grob 10–18 Uhr.Lohnt sich ein Besuch des Boxhagener Platzes für Street Art?
Ja, obwohl etwas Herumschlendern erforderlich ist. Der Platz selbst ist angenehm, aber die Kunst ist an den umliegenden Gebäudefassaden und den Nebenstraßen, nicht direkt am Platz. Die Grünberger Straße und Krossener Straße nördlich des Boxhagener Platzes haben die besten Konzentrationen. Der Sonntagsmarkt am Boxhagener Platz lohnt sich ebenfalls mit einem Street-Art-Spaziergang zu kombinieren.Darf man Graffiti in Friedrichshain frei fotografieren?
Ja. Alle Außengraffiti am RAW-Gelände und in den umliegenden Straßen befinden sich auf öffentlich sichtbaren Flächen und dürfen frei fotografiert werden. Manche Clubs innerhalb des RAW haben Fotobeschränkungen im Innenbereich. Auf der Straße gelten die üblichen Regeln — Privatpersonen nicht ohne Einwilligung fotografieren.
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