East Side Gallery – Wandgemälde, Geschichte und was Sie erwartet
Berlin: Berlin Wall & East Side Gallery Walking Tour
Was ist die East Side Gallery und lohnt sich ein Besuch?
Die East Side Gallery ist ein 1,3 km langer Abschnitt der Außenseite der originalen Berliner Mauer, der 1990 von 118 Künstlern bemalt wurde. Sie ist der längste erhaltene Mauerabschnitt und eine der bedeutendsten Open-Air-Galerien der Welt. Der Eintritt ist kostenlos, die Galerie ist rund um die Uhr geöffnet. Ein Besuch lohnt sich absolut – gehen Sie aber am frühen Morgen, um Menschenmassen zu vermeiden und die Gemälde ungestört zu sehen.
Was ist die East Side Gallery? Ein 1,3 km langer Abschnitt der originalen Berliner Mauer in Friedrichshain, 1990 von 118 Künstlern aus 21 Ländern bemalt. Eintritt frei, rund um die Uhr geöffnet. Sie ist der längste erhaltene Mauerabschnitt und einer der bedeutendsten Orte für Gedenkkunst im Freien weltweit. Kommen Sie früh morgens, um die Galerie ohne Menschenmassen und Reisegruppen zu erleben.
Was diesen Ort von anderen Mauerresten unterscheidet
Der Großteil der Berliner Mauer wurde 1990–1991 abgerissen. Von den einst 155 km, die West-Berlin umschlossen, sind nur noch etwa 3 km erhalten. Die East Side Gallery ist bei Weitem das größte Stück – und sie ist besonders, weil sie nicht als nüchternes Denkmal, sondern als künstlerisches Eingreifen in die Geschichte erhalten wurde.
Im Frühjahr 1990, als Abrisskolonnen durch die Stadt zogen, verhandelte eine Gruppe von Künstlern mit den Ostberliner Stadtbehörden, um diesen Abschnitt unter Schutz zu stellen. In den folgenden Monaten bemalten 118 Künstler 105 Wandbilder auf der östlichen Außenseite der Mauer – die Seite, die von der DDR aus sichtbar gewesen war. Die Werke reichten von ernsten politischen Statements bis zu überschwänglichen Freiheitsfeiern, von abstrakten Farbfeldern bis zu hyperrealistischen Porträts.
Das Ergebnis ist weder reine Kunstgalerie noch reines historisches Denkmal. Es steht zwischen beidem, und genau diese Ambiguität macht es so interessant. Wer ein sauberes Museumserlebnis erwartet, wird enttäuscht. Wer Street-Art an einem historisch aufgeladenen Ort sucht, trifft es genauer.
Die Galerie erkunden – worauf Sie achten sollten
Die Galerie verläuft entlang der Mühlenstraße vom Ostbahnhof bis zur Warschauer Straße. Vom Ostbahnhof aus gehen Sie grob nach Süden, von der Warschauer Seite nach Norden. Beide Ausgangspunkte funktionieren; die bekanntesten Wandgemälde konzentrieren sich im mittleren Abschnitt, etwa 400 bis 800 Meter vom Ostbahnhof entfernt.
Die wichtigsten Wandgemälde:
„Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben” (Dmitri Vrubel, Russland): Das meistreproduzierte Bild – Breschnew und Honecker im sozialistischen Bruderkuss. Die ursprüngliche Version von 1990 wurde 2009 von Vrubel selbst neu gemalt. Das Bild basiert auf einer Fotografie ihres Treffens 1979 in Ost-Berlin. Es karikiert die sozialistische Umarmung und spielt auf die intime Abhängigkeit der DDR von der Sowjetmacht an.
„Test the Best” (Birgit Kinder, Deutschland): Ein gelber Trabant fährt frontal durch die Mauer, Kennzeichen „Nov 9-89”. Kinder, eine in Magdeburg geborene Künstlerin, malte das Original 1990 und restaurierte es 2009. Der Trabant war zum Inbegriff ostdeutscher Alltäglichkeit geworden und steht nun für Befreiung – Technik auf dem Niveau einer 2CV, jahrelange Wartelisten, nirgends frei zu kaufen.
„The Mortal Kiss” (Thierry Noir, Frankreich): Einer der ersten Street-Art-Künstler, der die Mauer in den 1980er Jahren auf der Westberliner Seite bemalte. Noir malte eine Reihe großer, bunter Cartoon-Köpfe. Sein Stil – dicke Konturen, flache Farben, ausbuchtende Gesichtszüge – wurde zum Sinnbild für die Wandmalerei auf der Westseite.
„Es geschah im November” (Kani Alavi, Deutschland-Iran): Eine Menschenmenge drängt durch einen Spalt in der Mauer, die Gesichter schwanken zwischen Freude und fassungslosem Staunen. Oft als das emotional direkteste der Wandgemälde beschrieben.
„Vaterland” (Ignasi Blanch Gisbert, Spanien): Eine gespaltene Figur, deren beide Hälften die zwei deutschen Staaten darstellen. Eines der politisch explizitesten Werke.
Der Leitfaden zu den Wandgemälden der East Side Gallery stellt alle 105 Werke mit künstlerischem Kontext vor.
Die Restaurierungskontroverse von 2009
Ende der 2000er Jahre befanden sich die ursprünglichen Gemälde in schlechtem Zustand – Graffiti-Tags überdeckten viele Flächen, Pigmente waren verblasst, und einzelne Segmente wurden durch Bauarbeiten für die benachbarte O2 World Arena (heute Mercedes-Benz Arena) beschädigt. Der Berliner Senat beauftragte 2009 eine umfassende Restaurierung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls.
Die meisten Künstler wurden eingeladen, ihre eigenen Werke neu zu gestalten. Einige taten dies werkgetreu. Andere aktualisierten oder veränderten ihre Kompositionen. Mehrere Künstler waren verstorben; ihre Werke wurden von Restauratoren mit unterschiedlicher Genauigkeit wiederhergestellt. Einige Künstler lehnten ab mit dem Argument, die restaurierte Fassung sei nicht das Original und dürfe diesen Anspruch nicht erheben.
Kunstkritiker und Historiker sind gespalten. Die East Side Gallery, die Sie heute sehen, ist größtenteils die Restaurierung von 2009, nicht die Originale von 1990. Für manche Besucher spielt das eine Rolle, für andere nicht. Die historische Bedeutung der Mauer selbst bleibt unbestritten; die künstlerische Authentizität einzelner Gemälde ist umstrittener.
Was die East Side Gallery heute bedroht
Seit ihrer Aufnahme als Denkmal 1990 steht die Galerie unter verschiedenem Druck:
Baudruck: In den 2000er und 2010er Jahren wurden mehrere Lücken in die Mauer gebrochen, um neue Wohn- und Gewerbeprojekte entlang der Spree erschließen zu können. Jede Öffnung wurde von Denkmalschützern bekämpft. Der bekannteste Streit war 2013, als der Investor Maik Uwe Hinkel ein Luxus-Apartmentgebäude plante, für das ein Mauersegment entfernt werden sollte. Die Proteste zogen Tausende an – das Segment wurde trotzdem abgerissen.
Struktureller Verfall: Die Betonsegmente waren nicht für über 35 Jahre Witterungseinflüsse konzipiert. Einige wurden durch strukturell identische neue Segmente ersetzt und entsprechend neu bemalt.
Graffiti und Tags: Trotz Schutzanstrichen nach der Restaurierung 2009 kommen regelmäßig neue Tags hinzu. Die Reinigung ist fortlaufend, aber unvollständig. Einige Bereiche wurden mehrfach getaggt und gereinigt, was eine sichtbare Schichtgeschichte im Lack hinterlässt.
Die East Side Gallery ist ein lebendiges Dokument dafür, wie Gesellschaften zwischen Erhalt und Entwicklung abwägen – und zwischen historischer Authentizität und Zugänglichkeit. Diese Spannungen sind noch immer nicht aufgelöst.
Geführte Touren der Galerie
Ein Selbstbesuch ist gut möglich – Informationstafeln auf Deutsch und Englisch sind überall angebracht, und eine Karte an jedem Eingang zeigt die wichtigsten Werke. Eine geführte Tour bietet jedoch Kontext, den man aus Tafeln allein nur schwer erschließt: die politische Geschichte, welche Gemälde zuerst entstanden, die Biografien der Künstler, die Restaurierungsdebatten und den übergeordneten Kalten-Krieg-Kontext der Mauer.
Geführte Spaziergangtour durch die East Side Gallery – Wandgemälde, Geschichte und Kalter-Krieg-KontextEine kürzere, kunstfokussierte Tour lohnt sich, wenn Sie sich mehr für die Gemälde als für die Mauergeschichte interessieren:
Kurze geführte Kunsttour durch die East Side Gallery – Wandgemälde und Künstler erklärtPraktische Informationen
Adresse: Mühlenstraße 3–100, 10243 Berlin
Öffnungszeiten: Täglich 24 Stunden geöffnet, kostenlos
Anreise:
- S-Bahn S3/S5/S7/S9 bis Ostbahnhof (5 Minuten Fußweg zum nördlichen Ende)
- U1 bis Warschauer Straße (5 Minuten Fußweg zum südlichen Ende)
- Tram M10 entlang der Karl-Marx-Allee bis Warschauer Straße
Hinweis zu Besuchermengen: Ab 10 Uhr wird es im Sommer deutlich voller. Sonntagnachmittage sind am schlimmsten. Werktagnmorgens vor 9 Uhr sind am besten. Im Winter ist die Galerie angenehm ruhig.
Fotografie: Die Wandgemälde sind fotogen, aber das Licht ist nachmittags ungünstig. Morgendliches Licht aus dem Osten ist besser. Für die lange Mauerstreckenperspektive empfiehlt sich ein Weitwinkel; Nahaufnahmen einzelner Details gelingen auch mit dem Smartphone.
In der Nähe: Die Mercedes-Benz Arena liegt direkt daneben. Die Skulptur „Molecule Man” in der Spree ist von der Galerie aus sichtbar. Im Ostbahnhof-Bereich gibt es mehrere Cafés und im Sommer den YAAM Beach Club. Das RAW-Gelände (ehemaliges Reichsbahnausbesserungswerk) ist 10 Minuten zu Fuß entfernt und beherbergt einige der alternativen Bars und Clubräume Friedrichshains.
East Side Gallery mit nahegelegenen Sehenswürdigkeiten kombinieren
Die East Side Gallery lässt sich gut in einen längeren Friedrichshain-Tag einbauen. Nach der Galerie gehen Sie die Warschauer Straße nach Osten in den Kiez hinein zum Mittagessen (die Gegend um Warschauer Straße/Boxhagener Platz hat gute unabhängige Cafés), und besuchen dann die Karl-Marx-Allee – den monumentalen DDR-Boulevard 10 Minuten nördlich – um die architektonischen Ambitionen des Ostdeutschen Staates zu verstehen.
Für ein vollständiges Kalter-Krieg-Reiseprogramm in Berlin mit East Side Gallery, Checkpoint Charlie, Bernauer Straße und DDR Museum, siehe das Kalter Krieg Berlin Reiseprogramm.
Für das Denkmal an der Bernauer Straße, das ein nüchterneres und vollständigeres Bild der physischen Struktur der Mauer vermittelt, siehe den Leitfaden zum Berliner Mauer Memorial.
Zum Verständnis des Alltags der DDR-Bürger, die hinter dieser Mauer lebten, siehe den Leitfaden zum Leben in der DDR.
Häufige Fragen zu East Side Gallery – Wandgemälde, Geschichte und was Sie erwartet
Ist die East Side Gallery kostenlos?
Ja, vollständig kostenlos und täglich rund um die Uhr geöffnet. Die Galerie verläuft entlang der Mühlenstraße in Friedrichshain. Keine Tickets, keine Reservierung erforderlich. Das nahegelegene DDR Museum und das Checkpoint Charlie Museum verlangen Eintritt.Was sind die bekanntesten Wandgemälde der East Side Gallery?
Die beiden meistreplizierten Werke sind Dmitri Vrubels „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben" – das den sowjetischen Staatschef Breschnew und den DDR-Staatsratsvorsitzenden Honecker beim Kuss zeigt – sowie Birgit Kinders „Test the Best", das einen Trabant zeigt, der durch die Mauer bricht. Beide befinden sich im mittleren Abschnitt der Galerie nahe dem Ostbahnhof-Ende.Sind die Wandgemälde noch die Originale von 1990?
Die meisten wurden teilweise oder vollständig neu gestrichen. Die ursprünglichen Gemälde von 1990 deteriorierten schnell durch Witterung, Graffiti und Vandalismus. Bei einer umfangreichen Restaurierung 2009 überarbeiteten viele Künstler ihre eigenen Werke. Einige Stücke wurden von anderen Händen restauriert, nachdem die ursprünglichen Künstler ablehnten oder verstorben waren. Kunsthistoriker diskutieren, ob die restaurierten Versionen denselben Status wie die Originale besitzen.Wann ist die beste Zeit für einen Besuch der East Side Gallery?
Früh morgens (vor 8 Uhr) an Werktagen im Frühling oder Herbst. Im Sommer wird die Galerie nachmittags sehr voll, Reisegruppen und geführte Radtouren erschweren das Fotografieren. Das Licht ist morgens ebenfalls besser – die Gemälde sind nach Norden und Osten ausgerichtet, sodass morgens eine weichere Beleuchtung herrscht als bei direkter Mittagssonne.Wie lange dauert ein Besuch der East Side Gallery?
Ein gemächlicher Spaziergang von einem Ende zum anderen dauert etwa 30 Minuten. Mit Zeit zum Anhalten, Fotografieren und Lesen der Informationstafeln: 1,5 bis 2 Stunden. Die Galerie ist 1,3 km lang; man kann sie in eine Richtung laufen und zurück, oder einfach bis zum Bahnhof Warschauer Straße gehen.Kann ich mit dem Fahrrad zur East Side Gallery fahren?
Ja. Entlang der Galerie zu radeln ist möglich und angenehm, wenn es morgens noch ruhig ist. Mehrere Berliner Fahrradtour-Anbieter machen an der Galerie Halt. Fahrradverleih gibt es an der Warschauer Straße. In belebten Nachmittagsstunden ist das Radfahren durch die Menschenmengen schwierig und rücksichtslos.Ist die East Side Gallery die echte Berliner Mauer?
Es handelt sich um einen originalen Abschnitt der Außenmauer – die Seite, die für Ostberliner sichtbar war. Die Innenmauer, der Todesstreifen und die Grenzanlagen auf der anderen Seite wurden abgerissen. Was geblieben ist, ist die äußere Betonmauer, 3,6 Meter hoch, seit 1990 mit Gemälden versehen. Einzelne Segmente wurden aufgrund von Schäden ersetzt.
Top-Erlebnisse
Buchbare Aktivitäten mit geprüften Preisen und sofortiger Bestätigung über GetYourGuide.
Weiterlesen

Berliner Mauer: vollständiger Leitfaden — wo sie zu sehen ist, was geblieben ist und warum sie bedeutsam ist
Wo die Berliner Mauer heute noch zu sehen ist: die besten erhaltenen Abschnitte, Gedenkstätten und historische Stätten mit ehrlichen praktischen Tipps.

Kalter Krieg in Berlin — Blockade, Luftbrücke, Teilung und die Mauer
Berlins Geschichte im Kalten Krieg: von der Blockade 1948 über den Mauerbau 1961 bis zum Mauerfall 1989 — ein sachlicher Überblick.

Friedrichshain – Clubs, East Side Gallery, RAW-Gelände und Boxhagener Platz
Friedrichshain ehrlicher Guide: East Side Gallery, Berghain, RAW-Gelände, Boxhagener Platz Flohmarkt und was du wissen solltest.

East Side Gallery Wandgemälde — die Geschichten hinter Berlins berühmtesten Mauerbildern
Die Geschichten hinter den wichtigsten Wandgemälden der East Side Gallery: Vrubels Bruderkuss, Kani Alavi, Birgit Kinder und 100 weitere Werke.

Gedenkstätte Berliner Mauer Bernauer Straße — der vollständige Besucherführer
Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße: kostenloser Eintritt, Freiluftgelände, Dokumentationszentrum und was Besucher erwartet.

Leben in der DDR — Alltag in Ostdeutschland und was das für Besucher heute bedeutet
Wie der DDR-Alltag wirklich war: Wohnen, Ernährung, Überwachung, Kultur — und der Kontext für Berlins Kalte-Krieg-Gedenkstätten.