Synagoge Rykestrasse — Berlins größte erhaltene Synagoge in Prenzlauer Berg
Können Besucher die Synagoge Rykestrasse in Berlin besichtigen?
Die Synagoge Rykestrasse ist ein aktives Gotteshaus der jüdischen Gemeinde Berlins und steht der Öffentlichkeit nicht dauerhaft offen. Sie kann beim jährlichen Tag des offenen Denkmals im September, während der Jüdischen Kulturtage und bei gelegentlich organisierten Führungen besucht werden. Das Außengebäude ist jederzeit von der Rykestrasse aus frei einsehbar.
Kann man die Synagoge Rykestrasse besuchen? Die Synagoge Rykestrasse in Prenzlauer Berg ist ein aktives jüdisches Gotteshaus und kein Museum — sie ist nicht ganzjährig für die allgemeine Öffentlichkeit geöffnet. Das Außengebäude ist von der Straße aus sichtbar. Besuche im Inneren sind am Tag des offenen Denkmals (September), bei Berliner jüdischen Kulturveranstaltungen und über einige organisierte Führungen möglich. Die nähere Umgebung lohnt einen langsameren Spaziergang wegen der Stolpersteine und des Vorkriegscharakters der Wohnbebauung.
Die größte erhaltene Synagoge Deutschlands
Die Synagoge Rykestrasse wird häufig als das größte jüdische Gotteshaus Deutschlands bezeichnet, das die NS-Zeit überlebt hat. Diese Tatsache verdient einen Moment der Reflexion: Gemessen am Maßstab des deutschen Synagogenbaus von 1904 ist das größte Gebäude ein Zeugnis für das Selbstbewusstsein und den Wohlstand der jüdischen Gemeinschaften, die solche Bauwerke errichteten. Die meisten dieser Gemeinden — und die meisten dieser Gebäude — existieren nicht mehr.
Das Überleben der Synagoge Rykestrasse war nicht auf eine besondere Schutzpolitik zurückzuführen oder auf ein bemerkenswertes Eingreifen, das mit dem Handeln von Wilhelm Krützfeld an der Neuen Synagoge in Mitte vergleichbar wäre. Es war die praktische städtische Geometrie, die sie rettete.
Architektur und Gestaltung
Johann Hoeniger, ein Berliner Architekt, der bereits mehrere bedeutende öffentliche Gebäude in der Stadt entworfen hatte, erhielt 1903 den Auftrag zur Planung der Synagoge. Das entstandene Bauwerk zeigt einen romanisch-byzantinischen Stil — eine im Wilhelminischen Deutschland (ca. 1871–1918) für Synagogen häufig gewählte Stilrichtung, da sie frühchristliche Architektur aufgriff, ohne ausdrücklich gotisch zu sein (was zu eng mit Kirchen assoziiert wurde). Das Gebäude verbindet Rundbogen, Blendarkaden und dekoratives Backsteinmauerwerk mit einem vergleichsweise zurückhaltenden Äußeren.
Das Innere ist reicher gestaltet. Der Hauptbetsaal folgt einem Basilikagrundriss — ein breites Mittelschiff, flankiert von zwei Seitenschiffen, mit Frauenemporen auf drei Seiten darüber. Die Decke ist mit geometrischen Mustern bemalt. Die Bima (zentrales Lesepult) und der Aron Hakodesch (Toraschrein) sind nach Osten, nach Jerusalem, ausgerichtet. Die Farbpalette ist warm: Ocker, tiefes Blau, Gold — bei der Restaurierung 2007 so nah wie möglich an die Originale von 1904 angenähert.
Die Synagoge bietet Platz für rund 2.000 Personen. In den letzten Jahren vor der NS-Machtübernahme waren die Gottesdienste in der Rykestrasse voll belegt. An den Hohen Feiertagen (Rosch Haschana und Jom Kippur) drängten sich die Besucher auch auf dem Hof davor.
Die jüdische Gemeinde Prenzlauer Bergs
Um zu verstehen, warum 1904 eine 2.000 Plätze fassende Synagoge in Prenzlauer Berg gebaut wurde, muss man wissen, was das Viertel um die Jahrhundertwende war.
Prenzlauer Berg war um 1900 eines der am dichtesten besiedelten Stadtviertel der Welt — ein Arbeiterviertel aus dicht stehenden fünf- und sechsstöckigen Mietskasernen, die im raschen Industrialisierungsschub des späten 19. Jahrhunderts entstanden. Die Straßen rund um Kollwitzplatz, Helmholtzplatz und Senefelderplatz beherbergten eine gemischte Arbeiterbevölkerung mit einem bedeutenden jüdischen Anteil — von alteingesessenen Berliner Familien bis zu kürzlich zugezogenen osteuropäischen Einwanderern.
Die jüdischen Bewohner Prenzlauer Bergs waren überwiegend keine Wohlhabenden. Es waren kleine Händler, Handwerker, Beschäftigte im Textilgewerbe, Hausierer und — als die Generation der 1880er und 1890er Jahre Zugang zu Bildung und Berufen erhielt — Lehrer, Rechtsanwälte und Ärzte. Die Synagoge diente dieser Gemeinde — groß, vielfältig, überwiegend nicht wohlhabend, und jüdisch in einem weiten Spektrum von streng Observanten bis hin zu kulturell Verbundenen.
In den Weimarer Jahren der 1920er-Jahre erhielt das Viertel durch radikale Politik und künstlerische Bohème eine weitere Schicht. Die Bildhauerin Käthe Kollwitz lebte von 1891 bis 1943 in der heutigen Kollwitzstrasse und schöpfte ihr künstlerisches Material aus der Armut der Arbeiterklasse, die sie auf ihrer Straße beobachtete. Das gemischte jüdische und nichtjüdische Arbeiterleben des Viertels ist in der sozialistischen und kommunistischen Presse der Zeit dokumentiert.
Warum die Synagoge die Kristallnacht überstand
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden SA-Einheiten (Sturmabteilung) in ganz Berlin mit dem Auftrag ausgeschickt, Synagogen zu zerstören. Bis zum Morgen waren die meisten jüdischen Gotteshäuser Berlins in Brand gesetzt oder schwer beschädigt worden.
An der Synagoge Rykestrasse erschienen SA-Einheiten, steckten das Gebäude jedoch nicht in Brand. Der Grund, durch Nachkriegszeugnisse und historische Forschung belegt, war einfach: Die Synagoge liegt in einem tiefen Innenhof, auf allen Seiten von fünfstöckigen Wohnhäusern umschlossen, in denen nichtjüdische Bewohner lebten. Eine Brandlegung hätte das Feuer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf die umliegenden Wohngebäude ausgedehnt.
Der Einsatzleiter der SA zog sich angesichts dieses praktischen Problems zurück, ohne das Gebäude in Brand zu setzen. Die Synagoge wurde anschließend von den Nationalsozialisten als Stall und Lager für beschlagnahmtes jüdisches Eigentum genutzt, das Gebäude selbst jedoch nicht zerstört.
Dieses Überleben — vollkommen pragmatisch, ohne moralische Dimension seitens derer, die das Gebäude stehen ließen — bewahrte Berlin seine größte Synagoge.
Das Gebäude in der DDR
Von 1945 bis 1990 diente die Synagoge Rykestrasse der kleinen jüdischen Gemeinde Ost-Berlins. Die jüdische Bevölkerung der DDR war stark dezimiert: Die meisten überlebenden Juden, die die Möglichkeit hatten zu gehen, waren in den Westen gezogen, und die offizielle antizionistische Haltung der DDR — die in ihrer Rhetorik manchmal in Antisemitismus überging — erschwerte das jüdische Gemeindeleben. In den 1970er-Jahren zählte die Ost-Berliner jüdische Gemeinde nur noch einige Hundert Mitglieder.
Das Verhältnis des DDR-Staates zu jüdischen Einrichtungen war widersprüchlich. Der Staat sah sich als antifaschistischer Nachfolgestaat und Erbe des kommunistischen und sozialistischen Widerstands und restaurierte jüdisches Eigentum nicht systematisch und errichtete keine Gedenkstätten für jüdische Opfer, wie es die Bundesrepublik schließlich tat. Dennoch wurde die Synagoge Rykestrasse weiter betrieben und erhielt staatliche Unterstützung für zwei Restaurierungen (1953 und in den 1970er-Jahren).
Die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Kristallnacht im November 1988, die in der Synagoge Rykestrasse in Ost-Berlin abgehalten wurden, wurden von DDR-Generalsekretär Erich Honecker besucht — ein bemerkenswertes Ereignis, das eines der späten öffentlichen Eingeständnisse der DDR zu den jüdischen NS-Opfern darstellte.
Die Restaurierung 2007
Eine umfassende Restaurierung, die 2007 rechtzeitig zu den Hundertjahrfeiern der Synagoge abgeschlossen wurde, wurde vom Berliner Senat und der Bundesregierung mit rund drei Millionen Euro finanziert. Die Arbeiten stellten das Innere weitgehend dem Original von 1904 wieder her: Die bemalten Deckenmuster wurden anhand von Fotografien und verbliebenen Spuren der Originalfarbe rekonstruiert, die Emporen instandgesetzt und das Backsteinäußere gereinigt und neu verfugt.
Die Restaurierung war nicht nur eine denkmalpflegerische Maßnahme, sondern auch eine Aussage: Die öffentliche Investition in ein jüdisches Gotteshaus in Berlin, 60 Jahre nach dem Holocaust, war ein Bekenntnis dazu, dass die Geschichte der Gemeinde und ihre noch bestehenden Einrichtungen Teil des Berliner Erbes sind.
Das Viertel erkunden — ein praktischer Spaziergang
Da die Synagoge selbst nur zu bestimmten Zeiten zugänglich ist, ist es für die meisten Besucher am praktischsten, die umliegenden Straßen zu erkunden.
Beginn am Senefelderplatz (U2 Senefelderplatz): Der Platz hat seine eigene Geschichte — beachtenswert ist das Denkmal für Heinrich Zille (1858–1929), den Grafiker, der das Leben der Berliner Arbeiterklasse in Zeichnungen dokumentierte, die oft auch die jüdische Präsenz im Viertel abbildeten.
Ostwärts entlang der Sredzkistrasse zur Rykestrasse. In diesen Straßen findet sich eine ungewöhnlich hohe Dichte an Stolpersteinen — man schaue auf das Pflaster vor fast jedem Hauseingang. Der Stolpersteine-Führer liefert den Kontext zum Lesen der Inschriften.
Das Außengebäude der Synagoge (Rykestrasse 53): Das Gebäude liegt hinter einem Tor in der Straßenwand. Hof und Fassade sind durch den Eingang sichtbar. Die Geometrie, die das Gebäude in der Kristallnacht rettete — umgeben von Mietskasernen — ist auf den ersten Blick erkennbar.
Südwärts zum Kollwitzplatz: Der Platz im Herzen Prenzlauer Bergs trägt den Namen Käthe Kollwitz, die in der Nähe wohnte. Eine Skulptur von ihr, geschaffen von Gustav Seitz, steht auf dem Platz. Die umliegenden Cafés und Restaurants gehören zu den besseren Optionen im Viertel; die Gegend ist besucherfreundlich, aber nicht aufdringlich touristisch ausgerichtet.
Häufige Fragen zu Synagoge Rykestrasse
Warum ist die Synagoge Rykestrasse bedeutend?
Die 1904 erbaute Synagoge Rykestrasse ist das größte jüdische Gotteshaus Deutschlands, das die NS-Zeit weitgehend unversehrt überstand. Sie bietet Platz für rund 2.000 Personen. Ihr Überleben der Kristallnacht im November 1938 ist auf ihre Lage zurückzuführen — das Gebäude war auf allen Seiten von bewohnten Mietshäusern umgeben, und die SA befürchtete, dass ein Feuer auf die Wohnhäuser übergreifen würde. Diese praktische Erwägung rettete die Synagoge.Wo befindet sich die Synagoge Rykestrasse?
Die Synagoge liegt in der Rykestrasse 53, 10405 Berlin, im Bezirk Prenzlauer Berg, nahe dem Kollwitzplatz. Die nächste öffentliche Verkehrsanbindung ist die U-Bahn-Linie U2 bis Senefelderplatz (10 Minuten zu Fuß) oder die Tram M2/M12 bis Wörtherstrasse (5 Minuten zu Fuß). Die Synagoge liegt in einem Innenhof hinter der Straßenfront und ist durch das Eingangstor von der Rykestrasse aus sichtbar.Wann wurde die Synagoge Rykestrasse erbaut?
Die Synagoge wurde zwischen 1903 und 1904 nach Entwürfen des Architekten Johann Hoeniger im romanisch-byzantinischen Stil errichtet. Die Einweihung fand am 3. September 1904 statt. Sie wurde gebaut, um der rasch wachsenden jüdischen Gemeinde Prenzlauer Bergs zu dienen, die um die Jahrhundertwende zu den am dichtesten besiedelten Stadtbezirken Berlins gehörte — Heimat sowohl alteingesessener Berliner jüdischer Familien als auch osteuropäischer Einwanderer.Was geschah mit der Synagoge Rykestrasse während der NS-Zeit?
In der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden SA-Einheiten ausgeschickt, um die Synagoge zu verbrennen, wie sie es mit den meisten jüdischen Gotteshäusern Berlins taten. Da das Gebäude jedoch tief in einem von Wohnmietshäusern umgebenen Hof lag, hätte eine Brandlegung das Feuer auf die umliegenden Wohngebäude ausgedehnt. Die SA zog ab. Das Gebäude wurde anschließend von den Nationalsozialisten als Stall und als Sammelstelle für beschlagnahmtes jüdisches Eigentum genutzt, blieb jedoch baulich unzerstört.Wurde die Synagoge Rykestrasse in der DDR genutzt?
Ja. Die Synagoge diente der kleinen jüdischen Gemeinde Ost-Berlins während der gesamten DDR-Zeit. Die jüdische Gemeinschaft der DDR war winzig — in den 1970er-Jahren umfasste sie in ganz Ost-Berlin vielleicht 200 bis 400 Personen — doch blieb die Synagoge Rykestrasse das wichtigste Gotteshaus der Gemeinde. 1953 und erneut in den 1970er-Jahren wurde sie restauriert; eine umfassende Restaurierung wurde 2007 abgeschlossen. Die 2007 mit Mitteln des Berliner Senats durchgeführte Restaurierung stellte das Innere weitgehend dem Zustand von 1904 wieder her.Gibt es Stolpersteine in der Nähe der Synagoge Rykestrasse?
Ja. In den Straßen von Prenzlauer Berg rund um die Synagoge — Rykestrasse, Sredzkistrasse, Kollwitzstrasse, Wörtherstrasse — findet sich eine besonders hohe Dichte an Stolpersteinen, die an frühere jüdische Bewohner des Viertels erinnern. Die Konzentration rund um den Kollwitzplatz gehört zu den höchsten in Berlin. Diese Straßen langsam zu gehen und die Inschriften zu lesen, gehört zu einem bedeutsamen Besuch des Viertels dazu.
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