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Olympiastadion Berlin – das Olympiastadion von 1936 und seine Geschichte

Olympiastadion Berlin – das Olympiastadion von 1936 und seine Geschichte

Berlin: Olympic Stadium Guided Tour

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Kann man das Berliner Olympiastadion ohne Veranstaltung besuchen?

Ja. Das Stadion bietet Selbstführungen (10 € Erwachsene) und englischsprachige Führungen (14 €) von Dienstag bis Sonntag. Führungen finden täglich um 11 und 14 Uhr von April bis Oktober statt. Das Stadiongelände mit Glockenturm und Schwimmstadion ist außerhalb von Veranstaltungstagen für Einzelbesucher geöffnet.

Kurzantwort: Selbstführungseintritt: 10 €; Führungen täglich um 11 und 14 Uhr (April–Oktober) für 14 €. Die unterirdischen Spielerbereiche und die Pressetribüne sind nur bei Führungen zugänglich. Eingeplante Zeit: 2–3 Stunden einschließlich Glockenturm.

Was man vor dem Besuch wissen sollte

Das Berliner Olympiastadion ist eines der historisch aufgeladensten Sportstadien der Welt, und warum das so ist, erfordert kurzen Kontext, bevor man ankommt.

Das Stadion wurde zwischen 1934 und 1936 auf Befehl Adolf Hitlers erbaut, der die Berliner Olympischen Spiele als Gelegenheit sah, die Kapazitäten und die Rassenideologie Nazi-Deutschlands dem internationalen Publikum zu demonstrieren. Der ursprüngliche Entwurf sah eine funktionalere Struktur vor, aber Hitler griff persönlich ein und verlangte ein grandioseres neoklassizistisches Steindenkmal – das Gebäude, das heute zu sehen ist. Architekt Werner March führte den Entwurf aus; Albert Speer beaufsichtigte den gesamten Olympiakomplex.

Die Spiele von 1936 erwiesen sich für das NS-Regime in einer Weise als politisch heikel, die man nicht erwartet hatte. Jesse Owens, der afroamerikanische Sprinter und Weitspringer, gewann vier Goldmedaillen und stellte Weltrekorde auf vor einer Menge, zu der auch Hitler in der VIP-Tribüne gehörte. Seine Siege – in Disziplinen, in denen das Regime öffentlich vorhergesagt hatte, sie würden die arische sportliche Überlegenheit beweisen – wurden sofort zur internationalen Geschichte über das Scheitern der NS-Ideologie. Owens wurde anschließend eingeladen, FDR zu treffen, doch der amerikanische Präsident würdigte ihn nie öffentlich. 100.000 New Yorker empfingen ihn als Helden.

Das Stadion überstand den Zweiten Weltkrieg, weil es für die britische Armee nützlich war, die das Gebiet besetzte. Es wurde anschließend für die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2006 renoviert, erhielt ein neues Dach und die Kapazität wurde auf 74.475 angepasst. Heute ist es Heimstätte von Hertha BSC und dient als Konzertgelände (Kapazität 75.000; U2, Taylor Swift und Rammstein haben hier alle gespielt).

Ein Besuch im Olympiastadion ist keine rein sportorientierte Tourismuserfahrung – es ist eines der wichtigsten erhaltenen NS-Architekturdenkmäler in Deutschland und der Schauplatz eines der bedeutendsten politischen Momente in der Olympiageschichte.


Selbstführung versus geführte Führung

Selbstführungseintritt (10 €) erlaubt den Zugang zur Stadionschüssel, dem Haupteingangsplatz und dem historischen Marathontor. Man kann den unteren Rundgang abschreiten und Fotos von den ebenengleichen Blickbereichen machen. Audioguides (gegen Aufpreis, ca. 3 €) behandeln die wichtigsten Räume und die Geschichte.

Geführte Führung (14 €) ist deutlich umfassender und für die meisten Besucher die zusätzlichen 4 € wert. Die Führung umfasst:

  • Unterirdische Spielertunnel und Umkleidekabinen, die 1936 und heute genutzt wurden
  • Den VIP- und Pressetribünenbereich mit historischer Einweisung in die Organisation der Eröffnungsfeier 1936
  • Zugang zum Spielfeld (bei Selbstführungen nur über bestimmte Zugangspunkte)
  • Ausführlicher Kommentar zu Jesse Owens, Leni Riefenstahls Film über die Spiele und dem politischen Kontext

Führungen finden täglich um 11 und 14 Uhr von April bis Oktober auf Englisch und Deutsch statt. In der Nebensaison (November–März) nur am Wochenende.

Führung durch das Berliner Olympiastadion buchen – mit Zugang zu unterirdischen Spielerbereichen und Pressetribüne

Die Stadionarchitektur

Das Olympiastadion besteht überwiegend aus Naturstein – Jurakalkstein und Granit – in einem neoklassizistischen Stil, der antike griechische und römische Bauten referenziert. Das war eine bewusste Wahl von Hitler und Speer: Beton und Stahl waren die Materialien der Moderne, die das Regime mit kosmopolitischem und jüdischem Kultureinfluss verband. Stein stand für Dauerhaftigkeit, Tradition und rassische Abstammung.

Das Ergebnis ist architektonisch beeindruckend auf eine schwere, bewusst einschüchternde Weise. Das Stadion versinkt teilweise unter dem Bodenniveau, was seine scheinbare Masse verringert, während die massiven Steinkolonnaden den Himmel theatralisch rahmen. Das Marathontor (Marathontor) an der Ostseite fluchtet mit der Längsachse des Maifelds (dem Aufmarschplatz im Westen) und dem Glockenturm dahinter – eine 700 Meter lange Sichtachse, die darauf ausgelegt war, vom Glockenturm aus fotografiert zu werden.

Im Innern der Schüssel verteilt sich die Sitzkapazität auf ein fast vollständiges Oval mit einer Lücke am östlichen Marathontor-Ende. Das ermöglicht nahezu ungehinderte Sichtlinien zum Spielfeld von allen Positionen. Das renovierte Dach von 2006 überdacht den größten Teil der Sitzplätze, ohne die äußere Silhouette wesentlich zu verändern.

Die ursprüngliche NS-Ikonographie – Adler, Hakenkreuze und Wehrmacht-Symbole – wurde überwiegend in der Nachkriegszeit entfernt, jedoch überleben einige symbolische Elemente in abstrahierter Form im Steinwerk. Die Olympia-Glocke von 1936, die eine Inschrift und die Olympischen Ringe über einem Hakenkreuz trug, ist (gerissen, als sie beim Abseilen fiel) am Fuß des Glockenturms ausgestellt.


Der Glockenturm

Der Glockenturm steht auf dem Hügel unmittelbar westlich des Stadions, verbunden durch das Maifeld (ein Aufmarschplatz mit 110.000-Personen-Kapazität). Der Turm ist 77 Meter hoch und wurde so konzipiert, dass er von der Marathonzielgerade des Stadions aus zu sehen ist.

Die Aussichtsplattform oben ist per Aufzug erreichbar (6 € Aufpreis oder in einem Kombicket enthalten). Der Blick ist ausgezeichnet: Der vollständige hufeisenförmige Stadiongrundriß ist im Osten sichtbar, der Grunewald erstreckt sich nach Süden, und das Spreetal ist nach Norden sichtbar. An klaren Tagen ist der Fernsehturm Berlins am Horizont zu sehen.

Am Fuß des Glockenturms steht die gerissene Olympia-Originalglocke in einem offenen Unterstand. Die Inschrift lautet „Ich rufe die Jugend der Welt” – das übliche olympische Glockenmotto – über dem ursprünglichen Bronzeabguss mit einem NS-Adler. Die Glocke riss beim Abseilen vom Turm in den 1960er Jahren und ist seither auf Bodenniveau ausgestellt.


Die Jesse-Owens-Geschichte im Olympiastadion

Die Olympischen Spiele von 1936 wurden am 1. August eröffnet. Jesse Owens traf als Teil eines US-Teams ein, das das Regime nicht als dominant erwartet hatte. Er stellte beim Weitsprung einen Weltrekord auf (8,06 Meter), gewann die 100 m in 10,3 Sekunden, die 200 m in 20,7 Sekunden und führte die 4×100-m-Staffel zu einer weiteren Goldmedaille. Vier Goldmedaillen, vier Weltbestleistungen – im Stadion, das als Beweis für arische Überlegenheit gebaut worden war.

Die Geschichte, Hitler habe Owens „geschnitten”, indem er ihm den Handschlag verweigerte, ist komplexer als die gängige Version. Hitler hatte am ersten Tag deutschen Goldmedaillengewinnern die Hand geschüttelt; das IOC teilte ihm dann mit, er müsse entweder alle Gewinner öffentlich anerkennen oder keinen. Er wählte keinen. Owens erklärte später, Hitler habe ihm an dem Tag, an dem er die 100 m gewann, von der Tribüne aus zugewinkt und genickt. „Hitler hat mich nicht geschnitten – FDR hat mich geschnitten”, sagte Owens nach seiner Rückkehr in die USA zu Reportern und wies darauf hin, dass der amerikanische Präsident ihm nie ein Glückwunschtelegramm geschickt habe.

Eine Gedenkplakette für Owens befindet sich am Hauptstadioneingang. Ein Abschnitt des originalen Untergrunds der Laufbahn von 1936 ist im Stadionmuseum erhalten (im Rahmen der Führung zugänglich).


Veranstaltungen im Olympiastadion

Hertha-BSC-Spiele: Hertha trägt Bundesliga- und Pokalspiele während der gesamten Saison (ca. August bis Mai) aus. Die Atmosphäre in dem 74.000 Plätze fassenden Stadion bei großen Spielen ist erlebenswert – die Stehplatztribüne (Südkurve) ist besonders laut. Tickets über die Hertha-Website, in der Regel 15–55 € je nach Spiel und Sitzplatzkategorie.

Konzerte: Das Stadion beherbergt jährlich etwa 5–8 Großkonzerte. Die Akustik ist für Musik nicht ideal, aber die Kapazität macht es zum Standardort für Tourneen. Den offiziellen Spielplan findet man auf olympiastadion.de.

ISTAF Athletic Meeting: Berlins jährliches internationales Leichtathletikmeeting (in der Regel im September) führt das Stadion auf seinen ursprünglichen Verwendungszweck zurück und ist eines der lohnenswertesten Diamond-League-Events für Besucher. Tickets ab 25 €.

DFB-Pokalfinale: Gelegentlich im Olympiastadion ausgetragen, rotiert jedoch zwischen Spielorten.


Kombinationen mit anderen Orten

Das Olympiastadion liegt in West-Berlin nahe dem Bezirk Charlottenburg. Eine logische Tagesplanung:

  • Vormittags: Schloss Charlottenburg (10–13 Uhr)
  • Nachmittags: Olympiastadion-Führung (14 Uhr) und Glockenturm

Oder für alle, die dem Historischen Pfad durch die NS-Zeit folgen: Das Olympiastadion lässt sich mit der Topographie des Terrors (U1 vom Kurfürstendamm) und dem Berlin Story Bunker kombinieren.

Das Stadion ist 15 Minuten mit der U5 von Museumsinsel und Alexanderplatz entfernt, was es problemlos in einen Tag einzubauen erlaubt, der in Mitte beginnt.


Häufige Fragen zu Olympiastadion Berlin – das Olympiastadion von 1936 und seine Geschichte

  • Wie viel kostet der Besuch des Olympiastadions?
    Der Selbstführungseintritt kostet 10 € für Erwachsene, 7,50 € ermäßigt. Eine Führung kostet 14 € für Erwachsene, 11 € ermäßigt. Die Führung schließt den Zugang zur Pressetribüne, VIP-Bereichen und unterirdischen Spielertunneln ein, die bei Selbstführungen nicht zugänglich sind. Eine über GYG gebuchte Führung (14–18 €) bietet meist flexiblere Zeitfenster als der Vor-Ort-Plan.
  • Wer baute das Olympiastadion von 1936 und warum steht es noch?
    Das Stadion wurde von Albert Speer und Werner March entworfen und 1936 auf Hitlers Anweisung für die Berliner Olympischen Spiele fertiggestellt. Das NS-Regime nutzte die Spiele als internationale Propagandashow. Das Stadion überstand den Zweiten Weltkrieg relativ unversehrt (es wurde nach 1945 als Kommandoposten von der britischen Armee genutzt), weshalb es noch steht, während die meisten vergleichbaren NS-Bauten abgerissen wurden.
  • Was ist Jesse Owens' Verbindung zum Berliner Olympiastadion?
    Jesse Owens, der afroamerikanische Athlet, gewann bei den Berliner Olympischen Spielen 1936 vier Goldmedaillen – 100 m, 200 m, Weitsprung und 4×100-m-Staffel. Seine Siege widerlegten direkt die nationalsozialistische Rassenideologie, die Hitler mit den Spielen zur Schau stellen wollte. Das Stadion enthält eine Gedenkplakette am Haupteingang zu Ehren von Owens. Seine Siege gelten als eine der politisch bedeutendsten Leistungen in der Olympiageschichte.
  • Spielt Hertha BSC noch im Olympiastadion?
    Ja. Hertha BSC Berlin nutzt das Olympiastadion als Heimspielstätte in der Bundesliga. Ein Hertha-Spiel zu besuchen ist ein beliebter Weg, das Stadion in Betrieb zu erleben. Eintrittskarten sind auf der Hertha-Website erhältlich und in der Regel bis kurz vor dem Spiel verfügbar. Die Atmosphäre in der 74.000 Plätze fassenden Schüssel ist für Fußball hervorragend.
  • Was ist der Glockenturm am Olympiastadion?
    Der Glockenturm ist ein separates Bauwerk innerhalb des Olympiaparks, etwa 500 Meter westlich des Stadions. Er ist 77 Meter hoch und bietet Panoramablicke über das Spreetal und den Grunewald. Die Aussichtsplattform (Aufzug, 6 € extra) bietet die beste Vogelperspektive auf den hufeisenförmigen Grundriss des Stadions. Die originale Olympia-Glocke von 1936, gesprungen und mit NS-Symbolik versehen, ist am Fuß ausgestellt.
  • Wie lange dauert ein Besuch im Olympiastadion?
    Eine Selbstführung dauert 45–75 Minuten für die Schüssel, das Marathontor und den Hauptplatz. Eine Führung dauert 90 Minuten mit Zugang zu Untergeschossbereichen. Der Glockenturm benötigt weitere 45 Minuten. Für einen umfassenden Besuch einschließlich des umliegenden Olympiaparks sollte man 2,5–3 Stunden einplanen.
  • Ist das Olympiastadion weit vom Berliner Zentrum entfernt?
    Das Stadion liegt im westlichen Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, etwa 11 km von Mitte entfernt. Mit der U-Bahn nimmt man die U5 bis Olympia-Stadion – von Alexanderplatz aus etwa 30 Minuten. Die S-Bahn S75 hält ebenfalls am Stadion. Mit dem Auto ist Parken auf dem Gelände möglich. Von Schloss Charlottenburg aus dauert die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwa 15 Minuten.
  • Ist das Olympiastadion für Kinder geeignet?
    Ja, mit Kontext. Das Stadion ist architektonisch beeindruckend, und die Geschichte von Jesse Owens spricht Kinder an. Die unterirdischen Tunnel sind bei Kindern beliebt. Für jüngere Kinder erfordert die Geschichte des NS-Regimes eine elterliche Einordnung. Der Glockenturmaufzug ist für alle Altersgruppen zugänglich. Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt.

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