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Neukölln – Berlins multikulturellstes Viertel, Weserstraße und Tempelhofer Feld

Neukölln – Berlins multikulturellstes Viertel, Weserstraße und Tempelhofer Feld

Berlin: Alternative Berlin Walking Tour

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Was ist Neukölln in Berlin und lohnt es sich, dort hinzufahren oder zu wohnen?

Neukölln ist Berlins kulturell vielfältigstes Viertel – ein weitläufiger Bezirk mit unterschiedlichen Zonen: von der mittlerweile stark gentrifizierten Bar-Szene rund um die Weserstraße über die eher proletarischen nördlichen Abschnitte, das historische Dorf Rixdorf bis zum riesigen Tempelhofer Feld auf einem ehemaligen Flughafengelände. Es ist eine gute Basis für Reisende, die günstigere Unterkünfte als in Mitte oder Charlottenburg suchen, gastronomische Vielfalt schätzen und nah an Kreuzberg sein wollen.

Was ist Neukölln im Jahr 2026? Neukölln ist Berlins größter Bezirk nach Einwohnerzahl und der ethnisch vielfältigste – mit Bewohnern aus über 160 Ländern und einem der höchsten Anteile von Menschen mit Migrationshintergrund in einem europäischen Stadtbezirk. Er umfasst alles: von den günstigsten Berliner Wohnlagen bis zur gentrifizierten Bar-Szene der Weserstraße, vom riesigen Tempelhofer Feld bis zum böhmischen Dorf Rixdorf aus dem 18. Jahrhundert. Neukölln verstehen heißt, diese unterschiedlichen Realitäten gleichzeitig im Blick zu behalten.


Die Teile Neuköllns, die für Besucher relevant sind

Neukölln ist zu groß, um es als einheitliches Viertel zu behandeln. Vier Bereiche sind für Besucher besonders interessant:

Reuterkiez / Weserstraße – die gentrifizierte „Kreuzkölln”-Zone nördlich des Herrfurtplatzes, grob begrenzt durch die Karl-Marx-Straße im Osten, den Kanal im Norden und die Körtestraße im Westen. Bars, Galerien und Restaurants. Günstigere Preise als in Kreuzberg selbst, ähnlicher Charakter.

Hermannplatz und Karl-Marx-Straße – das kommerzielle Herz des Arbeiter-Neuköllns. Belebt, laut, wirklich multikulturell im Sinne mehrerer Gemeinschaften, die denselben Straßenraum teilen. Das Kaufhaus Karstadt am Hermannplatz ist eine lokale Institution.

Sonnenallee und nördliches Neukölln – der arabischsprachige Handelsstreifen, dicht besetzt mit nahöstlichen Restaurants, Lebensmittelläden und Shisha-Cafés. Eine der konzentriertesten arabischen Diaspora-Gemeinschaften in Deutschland.

Tempelhofer Feld und südliches Neukölln – der Flughafenpark und die ruhigeren, wohngeprägten südlichen Quartiere einschließlich Rixdorf.


Weserstraße: die Barstraße und ihr Kontext

Die Weserstraße wurde in den 2010er Jahren zu Berlins „It”-Straße, als steigende Mieten in Kreuzberg die Bars und Künstler verdrängt hatten, die dieses Viertel geprägt hatten. Das Muster wiederholte sich: Günstige Flächen zogen kreative Betriebe an, diese Betriebe zogen Besucher an, die Mieten stiegen, und der ursprüngliche Charakter wandelte sich.

Im Jahr 2026 sind die Weserstraße und ihre Seitenstraßen mitten in der Gentrifizierungsphase. Die Bars, die einst in leere Ladenlokale eingezogen sind, zahlen nun höhere Mieten und verlangen Preise, die eher an Prenzlauer Berg als an das Arbeiter-Neukölln erinnern. Die Galerien wirken professioneller. Die Restaurants bieten Menüübersetzungen an.

Das ist keine Kritik – es ist eine genaue Einordnung. Was echt bleibt: Die Bardichte ist real (über 20 Bars auf 400 Metern Weserstraße), die Essensvielfalt ist besser als in den meisten vergleichbaren Straßen Europas, und das Publikum an Wochenendabenden ist in seiner Zusammensetzung gemischter als das Prenzlauer-Berg-Äquivalent.

Nennenswerte Orte:

  • Sameheads (Richard-Strauss-Straße-Bereich) – Underground-Musikclub, unregelmäßiges Programm
  • Tante Netti (Weserstraße 48) – Kiez-Bar mit vernünftigen Preisen, Stammgäste
  • Café Rix (Karl-Marx-Straße 141) – groß, vielschichtig, in einem ehemaligen Ballsaal; für Kaffee und Mahlzeiten geöffnet

Den vollständigen Kontext zur Nachtszene findest du im Guide zu Berlins Nachtvierteln.

Alternatives Berlin Walking Tour – deckt Neukölln, Kreuzberg und die Gegenkulturgeschichte der Stadt ab

Tempelhofer Feld: der Flughafenpark

Das Tempelhofer Feld ist einer der ungewöhnlichsten Stadtparks Europas. Das 355 Hektar große Gelände (größer als der Central Park in New York) war bis 2008 der Flughafen Tempelhof, der trotz erheblichen politischen Widerstands geschlossen wurde. Nachdem ein Volksbegehren 2014 Baupläne blockierte, wurde es offiziell zum Dauerpark erklärt.

Was man dort vorfindet:

  • Drei original Startbahnen – noch in ausgezeichnetem Zustand, täglich von Radfahrern, Inline-Skatern, Skateboardern und Drachensurfern genutzt. Das Ausmaß der Startbahnen ist zunächst schlicht verwirrend – man sieht auf mehrere Kilometer Entfernung, ohne Sichthindernis.
  • Urbane Gärten – ein Teil des Parks wurde für Gemeinschaftsgärten freigegeben; mehrere Hundert Parzellen werden von Anwohnern bewirtschaftet.
  • Das Terminalgebäude – von Ernst Sagebiel entworfen und 1941 fertiggestellt, ist das Tempelhof-Terminal eines der nach Grundfläche größten Gebäude der Welt. Führungen sind erhältlich (14 EUR) und umfassen die Geschichte des Gebäudes von seinem Vorkriegsbau über die Berliner Luftbrücke (1948–49), als Tempelhof der wichtigste Empfangsflughafen für alliierte Versorgungsflüge war.
  • Das Berliner Luftbrückendenkmal vor dem Terminaleingang erinnert an die 13-monatige alliierte Operation zur Versorgung West-Berlins per Luftweg, als die Sowjetunion die Landwege blockierte. Das Denkmal – drei nach oben strebende Bögen – wird von Berlinern „Hungerharke” genannt.

Der Eintritt in den Park ist zu jeder Tageszeit kostenlos. Hunde sind in bestimmten Bereichen erlaubt. Die beste Besuchszeit ist frühmorgens oder am späten Nachmittag an Werktagen; Wochenendnachmittage können extrem voll sein.

Weitere praktische Informationen zu Gärten, Terminalführungen und Veranstaltungen findest du im Tempelhof-Feld-Guide.


Sonnenallee: Arabisches Berlin

Die Sonnenallee verläuft diagonal durch das nördliche Neukölln, von Hermannplatz südöstlich Richtung Britz. Das Teilstück zwischen Hermannplatz und Karl-Marx-Straße ist eine der lebendigsten arabischen Handelsstraßen Europas, mit einer Restaurantdichte, die eher an Viertel in Beirut oder Kairo erinnert als an typische deutsche Straßen.

Praktisches:

  • Die meisten Restaurants sind BYOB oder servieren keinen Alkohol; die Essensqualität reicht von gut bis ausgezeichnet bei Preisen, die 30–50 % unter vergleichbaren Angeboten in Tourismuszonen liegen
  • Die Bäckereien (besonders syrische und libanesische) verkaufen Fladenbrote, Gebäck und Süßwaren zu sehr niedrigen Preisen
  • Die Lebensmittelläden führen Produkte, die in normalen Berliner Supermärkten nicht erhältlich sind
  • Shisha-Cafés haben lange geöffnet und verlangen keine Bestellung von Speisen

Die Gemeinschaft hier umfasst sowohl alteingesessene türkische und arabische Familien als auch neuere Ankömmlinge. Die Straße wurde in deutschen Medien abwechselnd als Problemzone und als Integrationsmodell beschrieben – keine dieser Charakterisierungen trifft vollständig zu. Es ist eine Alltagsstraße, auf der mehrere Gemeinschaften einkaufen und zu Mittag essen.


Rixdorf – das böhmische Dorf

Rixdorf ist die historisch ungewöhnlichste Ecke Neuköllns. Im Jahr 1737 gewährte der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. einer Gruppe böhmischer Protestantenflüchtlinge Asyl, die ein Dorf auf dem damaligen Ackerland südlich Berlins gründeten. Die Dorfstruktur, die sie schufen – zentriert auf dem Richardplatz mit Kirche, Schmiede und Wohnhäusern rund um den Platz – hat Berlins Expansion überlebt und ist im Stadtgefüge noch heute ablesbar.

Der Richardplatz hat mehrere Bäume, die ursprüngliche Bethlehemskirche (1752) und die Dorfschmiede (Gebäude von 1624 auf aktuellem Standort), die noch immer als echte Schmiede in Betrieb ist. Sie ist eine der ältesten durchgehend betriebenen Handwerkswerkstätten Berlins. Gelegentliche Vorführungen sind öffentlich zugänglich.

Der Rest Rixdorfs (Straßen rund um die Böhmische Straße) ist eine Mischung aus alten und neuen Wohngebäuden ohne die architektonische Dichte eines touristischen Ziels – doch der Richardplatz-Kern ist für alle, die sich für die vorindustrielle Geschichte der Stadt interessieren, einen eigenen Besuch wert.


Wo man in Neukölln isst

Ehrliche Einschätzung: Neukölln ist eines der besten Viertel Berlins zum Essen ohne Touristenpreise.

Günstig und zuverlässig: Die Sonnenallee für arabisches Essen (5–10 EUR pro Person), die vietnamesischen Restaurants an der Hermannstraße (8–12 EUR) und die türkischen Bäckereien rund um die Flughafenstraße (Frühstück für 2–4 EUR).

Gehobener: Die Gegend rund um den Reuterkiez bietet bessere Restaurants zu mittleren Preisen. Lavanderia Vecchia (Boddinstraße 3) in einer ehemaligen Wäscherei ist ein renommiertes italienisches Restaurant, das Reservierungen erfordert. Café Morgenland an der Skalitzer Straße (Kreuzberger Seite des Kanals) ist eine verlässliche Option zum Wochenendbrunch.

Märkte: Der Türkenmarkt (Dienstag und Freitag, Maybachufer) und der Rixdorfer Markt (unregelmäßig, Richardplatz) sind die wichtigsten Marktadressen. Den vollständigen Markt- und Restaurantplan findest du im Berlin-Türkisch-Essen-Guide.


Wo man in Neukölln übernachtet

Neukölln ist Berlins günstigste innerstädtische Unterkunftsoption. Budgetiere 50–80 EUR pro Nacht für ein einfaches Doppelzimmer, Budgethotels und Airbnbs ab 40–60 EUR. Der Kompromiss: Entfernung zu den wichtigsten Touristenzielen; Museumsinsel und Mitte sind 30–40 Minuten mit der U-Bahn entfernt.

Beste Lagen:

  • Rund um den Hermannplatz (U7/U8) für maximale Anbindung
  • An oder nahe Reuterkiez/Weserstraße für die Bar- und Restaurantszene in Laufweite
  • In der Nähe des Landwehrkanals für das angenehmste unmittelbare Umfeld

Der Süden des Bezirks (rund um den Bahnhof Tempelhof) ist zu ruhig und zu weit von allem entfernt, um als Besucherbasis empfohlen zu werden – es sei denn, man möchte explizit Zugang zum Flughafenpark.

Den vollständigen Vergleich einschließlich anderer Viertel findest du unter Wo man in Berlin übernachtet.


Häufige Fragen zu Neukölln – Berlins multikulturellstes Viertel, Weserstraße und Tempelhofer Feld

  • Was ist die Weserstraßen-Gegend in Neukölln?
    Die Weserstraße und die umliegenden Straßen (Reuterstraße, Maybachufer, Pannierstraße, Hobrechtstraße) bilden die sogenannte „Kreuzkölln"-Zone – das Gebiet zwischen Kreuzberg und Neukölln, das in den 2010er Jahren zur zweiten Welle hipper Berliner Viertelentwicklung wurde. Es zeichnet sich durch Bars, kleine Galerien, Vintage-Shops und Restaurants aus, die ein Publikum aus Anwohnern und Besuchern anziehen. Das Viertel hat die Gentrifizierungskurve, die Kreuzberg ein Jahrzehnt früher vollzog, mittlerweile weit hinter sich.
  • Was ist das Tempelhofer Feld?
    Das Tempelhofer Feld ist ein 355 Hektar großer öffentlicher Park auf dem Gelände des 2008 geschlossenen Flughafens Tempelhof. Die Startbahnen sind noch vorhanden und werden zum Radfahren, Inlineskaten und urbanen Gärtnern genutzt. Der Park ist kostenlos, immer geöffnet und einer der meistgenutzten Grünräume Berlins. Ein Volksbegehren 2014 verhinderte Baupläne; das Gelände bleibt vollständig Park. Das historische Terminalgebäude (1939 für die Erweiterung des Flughafens in der NS-Zeit entworfen) kann besichtigt werden.
  • Was ist der Türkenmarkt in Neukölln?
    Der Türkenmarkt findet jeden Dienstag und Freitag am Maybachufer (Nordufer des Landwehrkanals in Neukölln) statt. Angeboten werden frisches Gemüse und Obst, Fisch, Oliven, Käse, Stoffe und Kleidung. Trotz des Namens bedient er die breitere türkische und arabische Gemeinschaft aus Neukölln und Kreuzberg. Die Kanalkulisse ist angenehm; am besten vor Mittag erscheinen für die größte Auswahl. Dieser Markt ist derselbe, der im Kreuzberg-Guide beschrieben wird – er erstreckt sich beidseitig der Kanalgrenze.
  • Ist Neukölln sicher?
    Nördliches Neukölln (rund um die Karl-Marx-Straße nördlich des Hermannplatzes) weist eine höhere Kriminalitätsrate als der Rest des Bezirks auf und gilt als gelegentlich unruhig – für Touristen ist es nicht besonders gefährlich, kann aber unangenehm wirken. Die Gegend um Weserstraße und Reuterstraße gilt zu jeder Uhrzeit als sicher. Das Tempelhofer Feld ist beliebt und bis zum Dunkelwerden sicher. Neukölln ist insgesamt ein sicheres Viertel mit vereinzelten Spannungsherden.
  • Was ist Rixdorf in Neukölln?
    Rixdorf ist ein historisches Dorf (Böhmische Kolonie) im südlichen Neukölln, das 1920 in Groß-Berlin eingemeindet wurde. Es hat einen ganz anderen Charakter als das umliegende Straßenraster des 19. Jahrhunderts: ein Dorfplatz (Richardplatz) mit einer Schmiede, einer alten Kirche und dem ursprünglichen böhmischen Dorfgrundriss. Die Böhmische Gemeinde (protestantische Flüchtlinge aus Böhmen) ließ sich 1737 hier nieder; die Schmiede auf dem Richardplatz ist seither ununterbrochen in Betrieb.
  • Welche U-Bahn- und S-Bahn-Linien bedienen Neukölln?
    Die U8 fährt durch Hermannplatz und Karl-Marx-Straße (nördliches Neukölln) und ist die Hauptverbindung nach Mitte und Friedrichshain. Die U7 durchquert Neukölln (Stationen Neukölln, Karl-Marx-Straße, Rathaus Neukölln) und verbindet mit Kreuzberg (Hermannplatz, Mehringdamm) und Charlottenburg. Die S-Bahn (S41/S42 Ringbahn) hält am Bahnhof Neukölln für Ringanschlüsse. Die Ringbahn ist nützlich für bezirksübergreifende Fahrten ohne Umstieg über das Zentrum.
  • Wofür ist Neukölln kulinarisch bekannt?
    Neukölln hat eine der vielfältigsten Restaurantszenen Berlins – arabische, türkische, vietnamesische, westafrikanische und koreanische Küche sind alle gut vertreten und meist zu echten Kiez-Preisen statt zu Touristenpreisen. Die Sonnenallee (informell „Arabische Straße" genannt) zieht sich durch das nördliche Neukölln mit nahöstlichen Restaurants, Bäckereien und Shisha-Cafés. Das dichteste Angebot findet sich auf der Sonnenallee zwischen Hermannplatz und Britzer Damm.

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