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Gedenkstätte Wannsee-Konferenz — das Haus der Wannsee-Konferenz

Gedenkstätte Wannsee-Konferenz — das Haus der Wannsee-Konferenz

Was geschah auf der Wannsee-Konferenz?

Am 20. Januar 1942 trafen sich fünfzehn hochrangige NS-Funktionäre in einer Villa am Ufer des Wannsees im Südwesten Berlins, um die Logistik des systematischen Mordes an den europäischen Juden zu koordinieren — die „Endlösung der Judenfrage". Die Besprechung dauerte etwa 90 Minuten. Die Villa beherbergt heute das Haus der Wannsee-Konferenz, eine kostenlose Gedenkstätte und Bildungseinrichtung, die die Konferenz und ihre Folgen dokumentiert. Es ist einer der erschütterndsten Orte in Deutschland.

Das Haus der Wannsee-Konferenz ist die Villa am Ufer des Wannsees, in der am 20. Januar 1942 fünfzehn hochrangige Vertreter des NS-Staates zusammenkamen, um den systematischen Mord an den europäischen Juden zu koordinieren. Die Besprechung dauerte etwa 90 Minuten. Der Eintritt in die heute dort untergebrachte Gedenkstätte und Bildungseinrichtung ist kostenlos. Von allen Orten in Berlins Gedenklandschaft erzeugt dieser — eine bürgerliche Seevilla in einem wohlhabenden Wohnviertel — vielleicht den beunruhigendsten Kontrast zwischen Kulisse und historischem Geschehen.


Die Konferenz — was am 20. Januar 1942 geschah

Die Besprechung wurde von Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamts (RSHA), in seiner Eigenschaft als Beauftragter für die Vorbereitung der Endlösung einberufen. Der Ort — Am Großen Wannsee 56–58, eine zuvor von der SS genutzte Villa — war wegen seiner Diskretion gewählt worden: außerhalb des Stadtzentrums, mit dem Privatwagen erreichbar, abseits des normalen Verkehrs des Regierungsviertels.

Fünfzehn Männer saßen im Konferenzraum der Villa um einen Tisch. Es waren keine Ideologen im engen Sinne — es waren hochrangige Beamte mit juristischer Ausbildung, Verwaltungserfahrung und staatlichen Karrieren. Acht der fünfzehn Teilnehmer besaßen einen Doktortitel. Sie waren durch den normalen Dienstbetrieb des deutschen Staates zu diesem Treffen gelangt.

Die von Heydrich festgelegte Tagesordnung lautete: „Endlösung der Judenfrage in Europa”. Das Wannsee-Protokoll — das von Adolf Eichmann (SS-Obersturmbannführer, Leiter des Judenreferats im RSHA) verfasste und von Heydrich genehmigte Besprechungsprotokoll — hält Folgendes fest:

Der Umfang: Heydrich legte eine Tabelle der jüdischen Bevölkerung nach Ländern vor — besetzte Gebiete, verbündete Staaten, neutrale Länder und das Vereinigte Königreich — mit insgesamt rund 11 Millionen Juden, die von der „Endlösung” erfasst werden sollten. Die Einbeziehung von Juden aus neutralen und unbesetzten Ländern (Schweiz, Schweden, Vereinigtes Königreich) offenbart den Anspruch des Plans, unabhängig von seiner unmittelbaren Realisierbarkeit.

Die Methode: Das Wannsee-Protokoll bedient sich durchgängig bürokratischer Euphemismen — „Evakuierung nach dem Osten”, „entsprechende Behandlung”, „natürliche Verminderung”. Im Kreuzverhör beim Nürnberger Eichmann-Prozess 1961 sagte Eichmann aus, die Sprache des Protokolls sei eine bewusste Abschwächung des Gesagten — die Besprechung selbst sei, in seinen Worten, „ein offenes Reden über Töten, Eliminieren und Vernichten” gewesen.

Die ressortübergreifende Koordination: Ein wesentlicher Teil der Besprechung galt der erforderlichen Abstimmung zwischen mehreren Behörden — SS, Auswärtiges Amt (für Juden in verbündeten und neutralen Staaten), Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, die Deutsche Reichsbahn (für die Deportationslogistik) sowie die Lagerverwaltungen in Polen. Die Besprechung stellte fest, dass dem RSHA die Federführung bei der Koordinierung aller Aspekte der Operation zufiel.

Die Kategorien: Erörtert wurden der Status von Juden in Mischehen, Halbblut-Juden (Mischlinge) sowie Juden in kriegswichtigen Industrien, für die unterschiedliche Behandlungsweisen diskutiert und teilweise festgelegt wurden.

Die Besprechung endete nach rund 90 Minuten. Anschließend wurden Wein, Kognak und Speisen gereicht. Die Teilnehmer kehrten in ihre Büros und ihre Karrieren zurück.


Wurde die Mordentscheidung auf der Wannsee-Konferenz getroffen?

Dies ist die am häufigsten gestellte und am häufigsten missverstandene Frage. Die Entscheidung, die europäischen Juden zu ermorden, wurde nicht auf der Wannsee-Konferenz getroffen.

Bereits im Januar 1942 waren systematische Massentötungen im Gange. Die Einsatzgruppen hatten seit dem Beginn des Unternehmens Barbarossa im Juni 1941 rund 500.000 Juden in der Sowjetunion ermordet. Die erste eigens errichtete Vernichtungsanlage — Kulmhof (Chelmno) — war im besetzten Polen seit Dezember 1941 in Betrieb. Entscheidungen, die Hitler und Himmler in der zweiten Hälfte des Jahres 1941 getroffen hatten, hatten das Regime auf den Mord an allen europäischen Juden verpflichtet.

Was die Wannsee-Konferenz leistete, war die Koordination des bürokratischen und logistischen Apparats dieser bereits bestehenden Politik über mehrere Regierungsstellen hinweg, die bis dahin ohne formale Abstimmung gehandelt hatten. Sie beseitigte Kompetenzstreitigkeiten, etablierte klare Befehlsstrukturen und erstreckte die Politik ausdrücklich auf Juden in Westeuropa, die bislang noch nicht in gleicher Weise wie jene im Osten verfolgt worden waren.

Die Bedeutung der Wannsee-Konferenz liegt nicht darin, dass sie die Entscheidung traf, sondern darin, was sie über das Wesen des Holocaust offenbart: Er war keine unkontrollierte Gewalt am Rande des Regimes, sondern die kalkulierte Koordination mehrerer Regierungsministerien in der Sprache, mit den Formularen und nach den Verfahren der gewöhnlichen Verwaltung.


Das Wannsee-Protokoll

Das Protokoll der Wannsee-Konferenz — das „Wannsee-Protokoll” — überstand den Krieg durch eine Kopie, die amerikanische Ermittler 1947 in den Akten des Auswärtigen Amts auffanden. Es ist eine der bedeutendsten Dokumentenquellen des Holocaust.

Das Protokoll spielte eine zentrale Rolle bei den Nürnberger Prozessen und beim Eichmann-Prozess 1961 in Jerusalem. Hannah Arendts Berichterstattung über den Eichmann-Prozess für den New Yorker, veröffentlicht als „Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen” (1963), stützte sich unmittelbar auf das Protokoll als Beleg für ihre These über den bürokratischen und alltäglichen Charakter der Täter.

Ein Faksimile des Protokolls ist in der Dauerausstellung des Hauses der Wannsee-Konferenz zu sehen. Das Original wird im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts in Berlin aufbewahrt.


Die Villa — Am Großen Wannsee 56–58

Das Gebäude ist ein typisches Beispiel der wohlhabenden Berliner Bürgerarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts. 1914/1915 als Privatvilla für Ernst Marlier, einen Berliner Kaufmann, errichtet, wurde sie 1940 von der SS als Erholungs- und Schulungsheim erworben. Heydrich wählte sie für die Konferenz im Januar 1942 eben weil sie SS-Eigentum, abgeschirmt und außerhalb des Regierungsviertels lag.

Nach 1945 wurde die Villa für verschiedene Zwecke genutzt — als Jugendherberge und Freizeiteinrichtung — ohne dass das dort Geschehene anerkannt wurde. Die Bemühungen von Historikern und Pädagogen um die Einrichtung einer Gedenkstätte begannen in den 1980er Jahren; am 20. Januar 1992, genau 50 Jahre nach der Konferenz, wurde die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz eröffnet.

Das Gebäude wurde weitgehend in den Zustand von 1942 zurückversetzt. Der Konferenzraum, in dem die Besprechung stattfand, ist mit zeitgenössischen Möbeln und dem langen Tisch erhalten. Besucher können den Raum betreten und sich setzen, wenngleich die Fotoregeln variieren — bitte an der Infotheke nachfragen.


Die Dauerausstellung

Die Ausstellung (durchgängig auf Deutsch und Englisch) umfasst:

Der Weg zur „Endlösung”: Die Entwicklung der nationalsozialistischen Rassenpolitik ab 1933 — Boykotte, Nürnberger Gesetze, Reichspogromnacht, die Morde der Einsatzgruppen — und die eskalierende Radikalisierung, die in der Entscheidung zur Ermordung aller europäischen Juden gipfelte.

Die Konferenz und ihre Teilnehmer: Biografische Dokumentation aller fünfzehn Teilnehmer, ihrer Karrieren vor 1933, ihrer Rollen im NS-Staat und ihres Schicksals nach 1945. Dieser Abschnitt gehört zu den wichtigsten der Ausstellung: Er zeigt die Gewöhnlichkeit der Täter und das Ausmaß, in dem die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft viele von ihnen wieder integrierte.

Die Umsetzung: Dokumentation der Deportationslogistik, der Rolle der Reichsbahn, der Vernichtungslager in Polen (Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor, Belzec, Kulmhof, Majdanek) und des Ausmaßes der Morde zwischen 1942 und 1945.

Nachwirkung und Erinnerung: Wie der Holocaust seit 1945 in Deutschland und international aufgearbeitet wurde — darunter die Entwicklung der Gedenkkultur, die Nürnberger Prozesse und die Nachkriegskarrieren der Wannsee-Teilnehmer.


Das Schicksal der Wannsee-Teilnehmer nach 1945

Von den fünfzehn Männern, die am 20. Januar 1942 um den Konferenztisch saßen:

  • Reinhard Heydrich wurde am 4. Juni 1942, vier Monate nach der Konferenz, von tschechischen Widerstandskämpfern in Prag erschossen.
  • Adolf Eichmann floh nach dem Krieg nach Argentinien, wurde 1960 vom Mossad in Buenos Aires gefasst, 1961 in Jerusalem vor Gericht gestellt und 1962 hingerichtet — als einzige Person, die der Staat Israel je mit dem Tod bestraft hat.
  • Drei wurden in Nürnberg oder in späteren alliierten Verfahren verurteilt. Mehrere erhielten Haftstrafen; die meisten kamen vor Verbüßung der vollen Strafe frei.
  • Fünf fielen im Krieg oder nahmen sich bei Kriegsende das Leben.
  • Sechs setzten ihre Karrieren in der Nachkriegszeit fort — in Justiz, Wirtschaft und im Fall von Werner Best als hochrangiger Funktionär im besetzten Dänemark, der anschließend bis in die 1960er Jahre als Rechtsanwalt in Westdeutschland praktizierte.

Die Ausstellung präsentiert diese Informationen direkt und ohne Beschönigung. Dass die Mehrheit der Wannsee-Teilnehmer, die den Krieg überlebten, nur begrenzte oder gar keine rechtlichen Konsequenzen trug, gehört zu den beunruhigendsten Tatsachen, die die Gedenkstätte vermittelt.


Praktische Informationen

Adresse: Am Großen Wannsee 56–58, 14109 Berlin

Öffnungszeiten: Täglich 10:00–18:00 Uhr. Geschlossen am 24. Dezember. Ausnahmen an Feiertagen unter ghwk.de.

Eintritt: Kostenlos.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

  • S-Bahn S1 ab Innenstadt bis Wannsee (ca. 30–35 Minuten ab Potsdamer Platz)
  • Ab Bahnhof Wannsee: Bus 114 (Richtung Babelsberg/Mehrower Allee), 2 Haltestellen bis „Haus der Wannsee-Konferenz”
  • Zu Fuß ab Bahnhof Wannsee: ca. 2,5 km über den Seeweg (25 Minuten)

Einrichtungen: Toiletten, Buchladen (Fachpublikationen auf Deutsch und Englisch zu Holocaust, Wannsee-Konferenz und verwandten Themen). Kein Café. Die nächsten Einkehrmöglichkeiten befinden sich im Ortskern Wannsee nahe dem S-Bahnhof.

Barrierefreiheit: Erdgeschoss und Konferenzraum sind barrierefrei zugänglich; einige Ausstellungsbereiche sind nur über Treppen erreichbar. Bei spezifischen Bedürfnissen bitte vorab Kontakt mit der Gedenkstätte aufnehmen.

Fotografieren: In den meisten Bereichen gestattet; aktuelle Regelungen für den Konferenzraum bitte an der Eingangskasse erfragen.

Kombination mit einem Ausflug zum Wannsee: Die Villa liegt unmittelbar am Großen Wannsee. Das umliegende Viertel ist eine wohlhabende Wohngegend mit Seewegen. Der Kontrast zwischen der idyllischen Umgebung und der Geschichte der Villa ist selbst Teil der Erfahrung — und eine bewusste Entscheidung in der Selbstdarstellung der Gedenkstätte.


Einordnung — Wannsee im Kontext anderer Berliner Gedenkstätten

Die Wannsee-Konferenz wurde vom RSHA-Hauptquartier auf dem heutigen Gelände der Topographie des Terrors aus organisiert. Die dort koordinierte Deportationslogistik verlief über die von der Reichsbahn verwaltete Eisenbahninfrastruktur. Die als Folge der hier getroffenen Entscheidungen ermordeten Menschen sind im Denkmal für die ermordeten Juden Europas dokumentiert.


Häufige Fragen zu Gedenkstätte Wannsee-Konferenz

  • Ist der Eintritt ins Haus der Wannsee-Konferenz kostenlos?
    Ja, der Eintritt ist frei. Die Dauerausstellung, der Konferenzraum selbst und das Außengelände sind ohne Gebühr zugänglich. Audioguides und Führungen sind verfügbar — aktuelle Angebote und Gruppenanmeldungen unter ghwk.de.
  • Wie komme ich zum Haus der Wannsee-Konferenz?
    Mit der S-Bahn S1 ab Innenstadt (Brandenburger Tor, Potsdamer Platz oder Anhalter Bahnhof) zum Bahnhof Wannsee (ca. 30–35 Minuten). Von dort mit dem Bus 114 (Richtung Babelsberg/Mehrower Allee) zwei Haltestellen bis „Haus der Wannsee-Konferenz" — die Haltestelle liegt direkt vor dem Eingangstor. Alternativ ist es ein 25-minütiger Spaziergang vom Bahnhof entlang des Seeufers.
  • Wie viel Zeit sollte ich einplanen?
    Die Dauerausstellung beansprucht 1,5 bis 2 Stunden. Den Konferenzraum kann man in 15 Minuten besichtigen, das Seeufergelände in 20 Minuten erkunden. Insgesamt sollte man 2 bis 2,5 Stunden einplanen. Die Anlage ist nicht groß, doch die Ausstellungsinhalte sind dicht und verdienen sorgfältige Aufmerksamkeit.
  • Welche Öffnungszeiten hat das Haus der Wannsee-Konferenz?
    Das Haus der Wannsee-Konferenz ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, auch an Wochenenden und den meisten Feiertagen. Ausnahmen und aktuelle Informationen unter ghwk.de. Eine Überprüfung vor dem Besuch an Feiertagen ist empfehlenswert.
  • Wer nahm an der Wannsee-Konferenz teil?
    Fünfzehn Männer nahmen teil. Die ranghöchsten waren Reinhard Heydrich (Chef des Reichssicherheitshauptamts, der die Besprechung einberufen hatte) und Adolf Eichmann (SS-Obersturmbannführer, der das Protokoll anfertigte). Die übrigen Teilnehmer vertraten die SS, das RSHA, das Auswärtige Amt, das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, den Generalgouverneur des besetzten Polens sowie das Reichsjustizministerium. Die meisten bekleideten hochrangige Positionen in Staat oder SS. Ihre Namen und ihr Schicksal nach 1945 sind in der Gedenkstätte dokumentiert.
  • Welche Beschlüsse wurden auf der Wannsee-Konferenz gefasst?
    Die Wannsee-Konferenz traf nicht die Entscheidung, die europäischen Juden zu ermorden — diese Entscheidung war bereits 1941 von Hitler und Himmler gefällt worden, und Massenmorde in Osteuropa waren bereits im Gange. Ziel der Konferenz war es, die Umsetzung dieser Politik ressortübergreifend zu koordinieren, Zuständigkeitsfragen zu klären und einheitliche Verfahren für die Deportation und Ermordung der Juden aus dem gesamten besetzten und unbesetzten Europa festzulegen. Eichmanns Protokoll hält die Einigung auf Deportation und Ermordung von rund 11 Millionen Juden in ganz Europa fest.
  • Warum ist die Wannsee-Konferenz von so großer historischer Bedeutung?
    Die Konferenz ist historisch bedeutsam, weil sie die bürokratische Organisation des Holocaust offenbart — ein Treffen hoher Beamter, die Völkermord in der Sprache der Verwaltung koordinierten — und weil Eichmanns Protokoll (das Wannsee-Protokoll) erhalten blieb und in den eigenen Worten der Teilnehmer belegt, wie die „Endlösung" koordiniert wurde. Die Konferenz zeigt, dass der Holocaust nicht das Werk einzelner Fanatiker war, sondern durch den Apparat des deutschen Staates geplant und vollzogen wurde.